Martin Heidegger (Teil 1): Philosophie der Krise

Shownotes

Eine Philosophie nach dem Zusammenbruch grosser Gewissheiten: Diese Folge führt in Martin Heideggers Denken ein und zeigt, warum seine Begriffe von Angst, Sorge und Sein zum Tode bis heute nachwirken. Es geht um die Wucht von Sein und Zeit, um seine eigentümliche Sprache und um die politischen Abgründe, die in dieser Einführung bereits sichtbar werden.

An ihm kommt bis heute kaum jemand vorbei, der oder die sich für Philosophie interessiert: Martin Heidegger. Manuel und Peter zeigen, weshalb es sich lohnt, zuerst Husserl im Blick zu behalten und dann die Verschiebung zu verstehen, die Heidegger vornimmt: weg von einer reinen Erkenntnistheorie, hin zu einer Analyse des Daseins. Im Zentrum stehen Begriffe wie Angst, Sorge, Geworfenheit und Sein zum Tode.

Die Folge führt durch Heideggers biografische Stationen, von der katholischen Herkunft in Messkirch über das Theologie- und Philosophiestudium bis zu den prägenden Jahren bei Husserl, nach Marburg und schliesslich nach Freiburg. Dabei geht es auch um die enge und später tragisch beschädigte Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Schon hier zeigt sich, dass Werk und Biografie bei Heidegger nicht sauber voneinander zu trennen sind.

Ausführlich besprechen Manuel und Peter, warum Sein und Zeit in einer erschütterten Epoche auf so grosses Echo stiess. Nach dem Ersten Weltkrieg zerbrachen Fortschrittsglaube, Vernunftoptimismus und das Vertrauen in eine geradlinige Universalgeschichte. Heidegger gab darauf keine tröstenden Antworten. Er beschrieb die Krise als Grundzug menschlicher Existenz und traf damit ein Lebensgefühl, das viele wiedererkannten.

Zur Sprache kommt auch die berühmte «Kehre» in Heideggers Denken. Aus der Daseinsanalyse wird zunehmend die Frage nach dem Sein selbst. Dabei misstraut Heidegger der überlieferten metaphysischen Sprache und sucht andere Ausdrucksformen, auch im Rückgriff auf Dichtung und auf Autoren wie Hölderlin. Das macht seine Texte produktiv, sperrig und bis heute umstritten.

Zum Schluss markieren Manuel und Peter bereits die Bruchstellen, an denen die nächste Diskussion ansetzt: Heideggers Religionsphilosophie, seine Wirkung auf die Theologie und die verhängnisvolle Nähe zum Nationalsozialismus. Eine Folge, die Orientierung gibt, ohne die offenen Fragen zu glätten.

Transkript anzeigen

00:00:00: Wir sind mit dem Podcast Mindmaps vor kurzem in eine neue Reihe gestartet.

00:00:06: Peter und ich analysieren aktuelle Bücher, wir kritisieren sie, setzieren sie werten sie aus für unsere Gegenwart und mit einem besonders theologischen Interesse.

00:00:18: Wir haben aber versprochen dass wir unsere alte philosophiegeschichtliche Reihe nicht abbrechen lassen dieser philosophiegeschichtlichen Reihe und ich will die Gelegenheit wahrnehmen euch auf den zweiten.

00:00:36: Band der philosophiegeschichtlichen Einführung für Theologinnen und Theologen hinzuweisen, die Heinz-Peter Hempelmann aus dem Podcast Mindmaps oder auf der Grundlage seiner Folgen entwickelt hat.

00:00:51: Eine hervorragende Gelegenheit, die Inhalte dieses Podcasts zu vertiefen und noch einmal einzutauchen in die Wurzeln unseres Denken Sie also herzliche Einladung, das Buch zu besorgen.

00:01:07: Ich verlinke es in den Show Notes.

00:01:10: und jetzt viel Spaß mit dieser Folge von MindMaps!

00:01:31: Herzlich willkommen ihr Lieben.

00:01:33: zu einer weiteren Folge von mindmaps.

00:01:36: Peter du bist auch diesmal wieder dabei Erstaunlich!

00:01:40: Ja, ist das schön.

00:01:43: Wir haben in der letzten Folge gesagt, dass es quasi eine Brückenfigur zwischen Heidegger, zwischen Kierkeger und Heidegar haben uns mit Husser beschäftigt und gemerkt oder gesehen wie wichtig, wie einflussreich er gewirkt hat oder geworden ist auch in seiner Wirkungsgeschichte Und haben da schon angekündigt, jetzt gehen wir auf Heidegger zu und damit werden wir uns jetzt auch befassen in voraussichtlich insgesamt drei Folgen.

00:02:19: Wir haben vorhin sein ... Leben und Werk einzuführen mit dieser Folge.

00:02:27: Und dann eine Folge zur, spezifisch zur Religionsphilosophie von Heidegger auch zu machen und eine Folge dann auch zudem problematischen Verhältnis zum Nationalsozialismus.

00:02:44: Da gibt es einiges zu sagen, wo wir auch auf Kusserl wahrscheinlich noch einmal zu sprechen kommen werden der ja als jüdischer Philosoph und Lehrer von Heidegger natürlich dann auch sehr direkt betroffen war vom dem Unrechtsregime des Nationalsozialismus und auf Hannah Arendt, die aber eine eigene Folge kriegt.

00:03:08: Darüber hinaus noch mindestens einen.

00:03:10: Genau also ein kleiner Teaser zu dem was noch auf uns wartet.

00:03:14: Aber Peter ich spiele hier gerade den Ball zu.

00:03:17: wir haben gesagt es ist wichtig Hussol zu verstehen oder wenigstens so die grobe Schneise zu schlagen um auch dann in Heidegger eintauchen zu können, weil er an manchen Stellen an Hussal anschließt und dann auch entschieden über ihn hinausführt.

00:03:39: Kannst du vielleicht damit gleich beginnen?

00:03:42: Und sagen mal andeuten wo man spürt bei Heidecker dass er zehrt auch von dem Werk seines Lehrers.

00:03:53: ja vielleicht kann man auch etwas direkt sagen zur persönlichen Beziehung der beiden.

00:03:58: Ja, das ist ja auch ganz wichtig.

00:04:00: Das Biografische erschließt ja auch das sachliche.

00:04:03: Heidegger studiert bei Husserle.

00:04:05: also Hussal ist sein wichtigster philosophischer Lehrer und von nineteen neunzehn bis neunzentundundzwanzig ist er dann auch seinen Oberassistent wie man es damals genannt hat.

00:04:17: Es kommt zu einer sehr intensiven Zusammenarbeit.

00:04:21: Husserl empfindet Teideger ein Stück weit als kongenial.

00:04:25: Wir haben ja gehört, dass Husslerl immer wieder auch neu angesetzt hat in seiner Phänomenologie und er hat die Hoffnung, dass dieser begabte Schüler seinen Fahrt diesen Faden aufnimmt und dann auch die Phänominologie wissenschaftlich ausarbeiten wird.

00:04:41: Und im Prinzip klappt das auch ein Stückweit nämlich, nehm ich ... Da klang man auf, wie geplant.

00:04:49: Klammer zu den Freiwerden in der Stuhl von Husserl und Freiburg.

00:04:54: Wir werden über die problematische Seite der Philosophie Heidegers ja auch noch zu reden haben.

00:05:01: aber wenn man schon über Hussern und Heideger redet muss man kann man in dem Zusammenhang schon auf einiges hinweisen.

00:05:09: das hat rein dreißig also heidegger ist ja sowieso der politikstar dass sich übernimmt er dann das Rektorat, der Universität Freiburg insgesamt hat.

00:05:20: Also ein immensen Einfluss tritt kurze Zeit später in die NSDAP ein also relativ früh und betreibt zwar nicht aktiv die Relegation von jüdischen Lehrpersonen vom den Lehrstühlen aber ersetzt die Rassengesetze der NSDRP um die zur Entfernung der jüdischen Professoren im Endeffekt auch führen und dann eben auch zu Entfernungen seines Lehrers führt.

00:05:52: Wir werden dann auch so reden haben über diese berühmte Rektoratsrede, in der sich Heidegger dann bemüht um die Gleichschaltung der Universität.

00:06:05: Ein besonders bedauerlicher Vorfall ist dass er dem ehemaligen verehrten Lehrer, dem er seine Dissertation widmet.

00:06:18: Nein nicht seine Dessertation sondern sein und Zeit widmet, dass er diesem Lehrer dann den Zugang persönlich zu der Universitätsgebäude auch verwehrt.

00:06:31: also mindestens mal eine Vorausabschattung dessen, was wir hier noch besprechen müssen.

00:06:37: Und es geht dabei ja nicht nur um die Frage Heidegger und der Nationalsozialismus sondern um die Fortsetzung der philosophischen Frage wie wirken eigentlich Werk-und Biografie aufeinander?

00:06:49: Also welche Zusammenhänge, welche Interdependenzen gibt es?

00:06:53: Und das wird uns zu beschäftigen haben.

00:06:55: Also was kann man philosophisch von einem Menschen wie Heidegger lernen, wenn er ethisch sich in einer solchen Weise disqualifiziert hat?

00:07:06: Wie wir das dann auch noch ein Stück weit aufdecken werden?

00:07:09: so viel mal zur persönlichen Beziehung arbeiten.

00:07:12: Ja

00:07:12: also da wären mir noch zukommen.

00:07:14: es wird eine spannende Folge werden, in der wir dann Heidegger auch wirklich von dieser sehr problematischen nun auch dann in seiner Rezeptionsgeschichte und bis heute viel diskutierten.

00:07:30: Eigenheit oder eben seiner nationalsozialistischen Gesinnung auch besprechen werden.

00:07:38: Da gibt es also zwischen Hussal und Heidegger, es gibt ein ambivalentes störungsreiches auch tragisches Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler.

00:07:52: Es gibt aber auch philosophisch inhaltliche Anschlussstellen, wo man sagen kann, dass da hat Heidegger Schlüsselbegriffe von Hussal oder zentrale Ideen übernommen und dann auch eigenwillig weiter entwickelt.

00:08:11: Und sich im Zuge der Entwicklung seiner Philosophie schon wieder entfernt ein Stück weit.

00:08:19: Ja, kann man so sagen.

00:08:20: Übrigens zur Geschichte der Distanzierung gehört... ...das ist in diesem Zusammenhang noch zu sagen das.

00:08:26: Nix seit einviertig anlässlich eines Nachdrucks von sein und Zeit die Widmung an den Lehrer entfernen lässt.

00:08:35: also das sind... Man muss immer aufpassen dass man nicht anarkonistisch urteilt und aus einer relativ sicheren heutigen Position aber es ist immerhin bemerkenswert im heutiger hatte sehr viel Einfluss.

00:08:48: Die Frage ist, ob das wirklich damals nötig war.

00:08:51: Ja also es geht bei Heidegger ganz stark um die Rezeption zweier Denker auf der einen Seite Kirkegaard da werden wir gleich nochmal ganz kurz drauf zurückkommen und auf der anderen Seite Husserl.

00:09:03: von Hussern übernimmt ihr die phänomenologische Methode.

00:09:06: Das heißt dass die...das bedeutet bei ihm eine kritische Sicht der Philosophie.

00:09:12: Geschichte Wir haben ja über das Abschichten gesprochen.

00:09:18: die Frage inwieweit erschließen oder vielmehr verschließen, die wichtigsten Kategorien der abendländischen Philosophiegeschichte wie sie uns von Aristoteles plattern und eben auch Kant herkommen.

00:09:34: Inwieweit verschließen Sie nicht den Zugang zu den Phänomenen selber?

00:09:40: Und das ist der Ansatz auch von Heidegger.

00:09:43: also er versucht bis zu seinem Lebensende, letzten Endes eine Re-Lecture in der er sich dann eben von diesen traditionellen Autoritäten entfernt.

00:09:55: Immer in Auseinandersetzungen natürlich mit Platern und aus Todlis vor allen Dingen auch mit Kant.

00:10:02: Aber interessant ist schon dass bei Heidegger andere Leute zu Gewehrsmännern werden für die Philosophie, die bisher eher eine kleine Rolle gespielt haben zum Beispiel Heraklit oder Parmenides, oder später dann eben auch Dichter die für ihn die Hölderlin-Fürich-Höldernin.

00:10:19: Die werden für ihn zur Autorität werden.

00:10:22: Der Unterschied oder die Weiterführung so könnte man es ja auch positiv ausdrücken von Hussel besteht darin dass wir in der Phänomenologie dem Anspruch nach das haben wir ja breit behandelt Es um eine erkennt historische Methode handelt und Heidegger baut das aus.

00:10:40: Für Heidegger wird aus dieser reinen Erkenntnistheorie eine, wie er das nennt, fundamental Ontologie.

00:10:48: Das heißt es geht jetzt nicht nur um die richtige Methode sondern es geht um die Anwendung der Phänomenologie zur Bestimmung dessen was Wirklichkeit als solche ist aber jetzt nicht Wirklichheit im Sinne von Aristoteles oder Platon, Ideenlehre kategoriale, metaphysische Bestimmung.

00:11:12: Sondern ausgehend eben von der Existenz des Menschen.

00:11:17: Er will zeigen was ist eigentlich Dasein?

00:11:21: Daseinn heißt bei Heidegger immer Leben.

00:11:24: Wie leben wir?

00:11:24: und da wird dann auch in der Konzentration oft das Leben, oft dass Daseins wird Kürkiger unglaublich wichtig.

00:11:33: Und Heideger schlägt unter anderem deshalb so ein weil er in einer bestimmten Situation angesichts eines bestimmten Geistes der Zeit ein Thema anschlägt, das absolut aktuell ist.

00:11:51: Dieses Hauptwerk, dass es bis zum Schluss fast bleibt dieses Hauptwerkssein und Zeit legt eine Daseinsanalyse vor.

00:12:00: also wie gesagt es geht nicht nur um Erkenntnis Theorie sondern es geht jetzt wirklich um die Dasein Analyse bemüht sich um die Beschreibung von sogenannten Existenzialien.

00:12:13: Also was sind die Grundgegebenheiten?

00:12:16: Jetzt nicht des Seins oder so, ja also wie denke ich jetzt, Kausalität oder sowas sondern es geht um die Grundegebenheiten des menschlichen Lebens.

00:12:27: und da greift dann Heidegger ganz zentral auf zum Beispiel vor allen Dingen auf Kirkegaard zurück der ja den Begriff der Angst in dem Mittelpunkt seines Reflektirens gebracht hat, der deutlich gemacht hat, dass unser Sein auf den Tod zugeht.

00:12:43: Auch das ist nicht etwas was erst Heidegger erfunden hat aber was er quasi prominent und akademisch in dem Bereich der Philosophie eingeführt hat.

00:12:53: Unser Sein als ein Sein zum Tode.

00:12:56: oder die zentrale Frage auch von Sein und Zeit warum ist überhaupt etwas und nicht viel mehr nichts?

00:13:02: Also... Denken angesichts des Nihilismus.

00:13:06: Das ist der neue Akzent, den er gegenüber Husserl setzt und damit kommt er in der krisenhaften Situation der Zeit sehr entgegen.

00:13:18: Ich glaube ich habe hier bei der letzten Folge mal versprochen, habe gesagt siebenzwanzig also neunzeitenzwanziges Seinenzeitern erschienen Und da ist natürlich die erste Weltkrieg mit den ganzen Folgen noch absolut präsent Die Erschütterung der Kultur-Nationen, Deutschland, Frankreich, England und so weiter.

00:13:39: Und die Tatsache, dass man eigentlich gedacht hat, man hätte einen zivilisatorischen Stand erreicht – ich erinnere an die kolonialen Phänomene wo man die Welt ja meinte insgesamt beglücken zu müssen mit den europäischen Werten der Aufwährung des Omanismus der Sittlichkeit und Moralität.

00:13:58: all das zerbricht.

00:13:59: Auch das Konzept einer Universalgeschichte

00:14:01: zerbricht.".

00:14:02: Und Heidegger sagt, es ist doch eigentlich ... Er sagt nicht aussorgiert, es sei nicht wichtig, sondern er konzentriert sich auf die individuelle Existenz, auf die Angst, auf Die Sorge.

00:14:11: Das sind die entscheidenden Fragen, die er deutlich macht und findet da ein enormes Echo.

00:14:17: Ja

00:14:17: also kann man sagen Da kommen jetzt verschiedene Linien, verschiedene Fäden

00:14:23: zusammen

00:14:24: die wir in den letzten Folgen auch vorgezeichnet haben.

00:14:28: Er greift von Husserl diesen phänomenologischen Ansatz auf.

00:14:33: Insofern also auch nicht bei irgendwelchen Begriffssystemen anfangen will und bei irgendwellchen abstrakt Betrachtungen sondern das Leben und die Phänomene selber in den Blick nehmen will.

00:14:50: und dann dreht er das aber einige Umdrehungen weiterhin zu einer eben Daseinsanalyse, die dann ganz stark auch diese existenzielle Dimension einnimmt, die man wiederum bei Kirkegaar vorgezeichnet sieht.

00:15:08: Und da gibt es dann wirklich ganz wichtige auch begriffliche Überschneidungen.

00:15:15: Da profitiert er nicht nur von Ideen, sondern stellt wie schon Kierkegaer jetzt den Begriff der Angst aus einem ganz entscheidenden Begriff in die Mitte seiner Theologie, seiner Philosophie, sprich von Sorge.

00:15:32: Er beschäftigt sich mit dem Tod und der Vergänglichkeit Lebens.

00:15:38: Und strikt daraus könnte man vielleicht sagen eine eigentliche Philosophie der Krise, die in seiner Zeit irgendwo auch dann wiederholt findet oder die enorm anschlussfähig ist – wie könnte man sagen ein Lebensgefühl oder eine Existenz?

00:16:00: Wahrnehmung in der damaligen Zeit, nach dem Eindruck des ersten Weltkriegs und dann im Vorfeld auch das Zweiten Weltkrigs.

00:16:10: Ja

00:16:10: also sein Ruf hat sich er war zuerst im Marburg aber wir kommen ja nachher noch kurz auf das Leben auch zu sprechen, explosionsartig in Deutschland ausgebreitet und das hängt mit dieser

00:16:21: neuen

00:16:22: Form des Philosophiens zusammen die eben jetzt nicht mehr Eine angeeignete Philosophiegeschichte ist, wie das akademischerweise ja im neunzehnten Jahrhundert und zu Beginn des zwanzigsten Hundert eigentlich üblich ist.

00:16:38: Ich interpretiere die Tradition neu und bleibe dabei natürlich in den metaphysischen Bahnen mehr oder weniger stecken sondern ich konzentre, kennt er natürlich die abländische Philosophies Geschichte Aber er fällt sich kritisch zu ihr und der Fokus liegt jetzt auf der Existenz.

00:16:59: Der Fokus liegt darauf, was bestimmt denn eigentlich mich?

00:17:04: Kirkegeräusche Frage während ich denke, wer bin ich als Denkender?

00:17:09: Ich bin jemanden, der existiert.

00:17:12: also da wird dann eben auch an diesem Begriff etwas sehr schön deutlich heiliger kann Existenze schreiben e k s i s d n z ja denjenigen der heraus der heraussteht.

00:17:26: Ja, also die Herausforderung des Menschen auch das wie der Gehrgeger in Situationen der Entscheidung, die richtige Wahl zu treffen oder eben sich auch zu versagen und der Mensch als derjenige, der Krise sehr schöne Formulierung, Philosophie der Krese, der eben auch gefordert ist, herausgefordert krisenhaften situation die allerdings eben nicht nur durch den weltkrieg durch die wirtschaftskrise durch die krise der weimarer publik bestimmt ist sondern heideger sagt das ist ein universaleres dass es ein universales phänomen.

00:18:05: ja die die frage nach dem sinn die fahre danach was eigentlich leben sein kann wenn es von der ersten sekunde Hin auf den Tod zugeht, das ist ein Existenzial.

00:18:18: Dass das Leben bestimmt und davon kann man grundsätzlich nicht absehen.

00:18:22: Das Dasein zum Tode!

00:18:25: Vielleicht

00:18:25: kannst du an der Stelle ein paar Schlaglichter aus der Biografie, aus der Lebensgeschichte von Heidegger noch reinholen, dass man sich ein bisschen... Bild machen kann von seinem Lebensweg.

00:18:39: Du hast ein bisschen etwas schon gesagt zur traurigen und verhängnisvollen Verstrichung mit dem Nationalsozialismus, vielleicht kannst du das ein bisschen breiter noch

00:18:50: herleiten?

00:18:51: Ja, das will ich gerne machen.

00:18:53: also Heideger wird nur zu den Achtzehnhundertneunachtzig in Messkirch geboren.

00:18:59: Das ist im Südschwarzwald wächst auf in einer einfachen katholischen Familie.

00:19:06: Abgekürzt formuliert, er kommt in ein katholisches Milieu hinein das in einer großen Selbstverständlichkeit gilt ausgeprägtholische Verhältnisse.

00:19:17: und von daher ist eben auch klar nachdem sich seine hohe Intellektuelle Begabung zeigt und er eben auch religiöse Interessen ausdrücklich entwickelt, dass er im Theologiestudium beginnt.

00:19:30: Das macht er dann also ab Neunzehntein neun.

00:19:34: Gibt es aber dann nach zwei Jahren, neunzehn Elf auf zugunsten eines Philosophiestudiums?

00:19:39: Das fasziniert ihm eben doch deutlich mehr!

00:19:43: Und nach kurzer Zeit dann eben.

00:19:45: das zeigt schon noch die Genialität.

00:19:46: neunzel zwölf eine Dissertation Lehre vom Urteil im Psychologismus, das kann man hören und darf es auch sofort wieder vergessen.

00:19:55: Wichtiger ist die vier Jahre später kommende Habilitation zu einem mittelalterlichen wichtigen mittelalterlichen Denker Dunskotus.

00:20:04: Diese frühen Arbeiten sind noch ganz deutlich neukantianisch geprägt.

00:20:12: Und dann kommt es zu einer intensiveren Begegnung mit dem eben ja auch schon mehrfach angesprochenen Hussel, der dann sein Lehrer wird und ihn vom Neukantianismus wegführt zu dieser neuen phänomenologischen Methode.

00:20:28: Er wird der Lehrer von Heidegger und dann kommt es in den Anfang der zwanziger Jahre zu einem Hof nach Marburg.

00:20:38: Marburg ist deshalb interessant.

00:20:40: wir werden auch darauf nochmal zurückkommen weil ihn dort die junge Studentin Hannah Arendt, achtzehn Jahre alt besucht ihn begegnet.

00:20:50: Wir wissen sogar wann und wo, wie die erste Begegnung stattgefunden hat – und es funkt sofort!

00:20:56: Die beiden beginnen dort eine geheim gehaltene Affäre auf der einen Seite die achtzehnjährige Studentin und auf der anderen Seite der fünfundreißig- jährige Philosophieprofessor Der Absolute Starr.

00:21:09: Und diese Affäre dauert dann bis sechsundzwanzig.

00:21:11: da wechselt Arend nach Freiburg.

00:21:16: Später geht ja dann Heidegger auf den Lehrstuhl von Husserl auch nach Freiburg.

00:21:22: Kleiner An-Einwurf noch Marburg, nur für die Theologie begeisternden Marburg ist natürlich auch der Ort und die zentrale Wirkstätte von Rudolf Bultmann und die beiden begegnen sich tatsächlich?

00:21:37: Die beiden begegneten sich und wir haben zahlreiche Zeugnisse von Bult Mann wie wichtig die beiden Veranstalten zusammen Seminare wie wichtig diese Begegnung mit Heidegger für ihn gewesen ist.

00:21:48: Und wir wollen ja in der dritten Folge dann auch über die Konsequenzen dieser Begegnungen, für die Theologie von Udolf Bultmann noch etwas näher

00:21:59: nachdenken.".

00:22:01: Ende der zwanziger Jahre – und es sei sieben, zwanzig, achtundzwanzig erscheint dann sein und Zeit!

00:22:08: In dieser ersten Auflage, die deshalb auch Bibliothekarisch einen besonderen Wert hat steht, noch erster Teil Das heißt, es war ein zweiter Teil geplant der aber nicht erscheint.

00:22:21: Das hat dann mit einer Modifikation im Denken von Heidegger zusammen, hängt damit zusammen die man in ihrer Bedeutung gar nicht überschätzen kann also der... Heideger.

00:22:33: ich habe versucht schon zu sagen In diesem ersten Teil geht er im Grunde aus von der Existenz.

00:22:39: Es geht um eine Aufdeckung der Existenzialien dessen, was das menschliche Leben das Dasein bestimmt.

00:22:47: Und Heidegger hatte vor in einem zweiten Teil – das wissen wir aus seinen späteren Veröffentlichungen – mit der Sprache der traditionellen Metaphysik diese Existenzialien eben auch zu beschreiben und erkennt dann mit einem Mal, das hört ja absolut in die Irre.

00:23:10: Ich muss mich im Grunde von diesen traditionellen metaphysischen Kategorien völlig lösen.

00:23:17: Wenn es darum geht Wirklichkeit als solche zu erkennen braucht es nicht eine Daseinsgeschichtliche Analyse.

00:23:25: Und jetzt kommt diese berühmte Kehre Von der man bei Heidegger spricht Sondern Es Geht Um Eine Seins-Geschichtliche Analyse Die Dann Eben Einfach nötig ist.

00:23:37: Und das, was wir dann eben nach der Veröffentlichung von seiner Zeit finden, ist eben diese Ausarbeitung einer seinsgeschichtlichen Perspektive in der es darum geht dass das Sein selber nicht nur das Dasein des Menschen durch das sich das Seinen ausspricht sondern dass das sein selber eben zur Sprache kommt.

00:23:59: und das ist mit den Mitteln traditionellen, abendenischen Philosophie und noch nicht einmal alleine durch eine Daseinsanalyse nicht mehr zu leisten.

00:24:10: Sein gemeinsamer Zug jetzt der drei Denker die wir zuletzt behandelt haben Kirkegaar Husserl und Heidegger dass sie alle in ihrer Weise eigentlich der traditionellen philosophischen Metaphysik eine Absage erteilen und versuchen irgendwie auf einem anderen Grund zu stehen, zu kommen.

00:24:35: Der Meer mit der Existenz des Menschen selber mit seinem Erleben zu tun hat als mit einer abstrakten Systembildung?

00:24:48: Das ist die Wahrnehmung, um die es geht also um eine grundsätzliche Metaphysikkritik.

00:24:53: Da sind wir jetzt auch bei einem weiteren wichtigen Doppelwerk von Martin Heidegger.

00:24:59: Also diese Kehre vollzieht sich in der Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche, da gibt es zwei Bände-Nietzsche-Studien und Friedrich Niedzsche das haben wir ja hoffentlich sehr deutlich gemacht ist derjenige der sich mit philosophischen Gründen von der abendländischen Metaphysik wie sie von den Fossokatekern überplaten und ausdoteln lässt von da ausgehend sich entfaltet, der diesen gedanklichen Weg für nicht überzeugen und nicht tragfähig ist.

00:25:32: Insofern haben wir bei Martin Heidegger auch schon das Konzept eines nachmeterphysischen Denkens vor uns in einem ersten Schritt als existenzielles Existenzbezogenes, die das Dasein Ausleuchtendes denken in einem zweiten Schritt, aber darüber hinausgehend im Wissen darum.

00:25:58: diese Ausleuchtung der Existenz als solche reicht nicht aus wenn ich phänomenologisch durchdringen will zu dem was das sein ist.

00:26:09: Und es ist wirklich gut, wenn wir das so auseinander nehmen weil auf den ersten Blick ja absolut widersprüchlich wirklich verabschiede die Metaphysik und greift dann den zentralen Begriff der metavysischen Tradition wieder auf, nämlich das Sein letztendlich.

00:26:26: Das wäre jetzt... Jetzt hast du gerade einen Einwand vorweggenommen da hätte ich auch gesagt, dass klingt für mich dann doch wieder sehr metaphysisch, wenn man das seien.

00:26:35: Wir haben ja – ich erinnere an die Vosokratika, die ersten Folgen, die wir aufgezeichnet haben.

00:26:41: Das hat ja die Philosophie von ihren Anfängen an in irgendeiner Weise immer bewegt eben dass das Wesen des Seins und der Wirklichkeit usw.

00:26:53: Heidegger meint das anders?

00:26:57: Ja vielleicht hilft ein Blick auf Das zweite Hauptwerk, das auch in der Heidegger Rezeption eine entscheidende Rolle spielt.

00:27:10: Dass aber erst später, neunzehnundachtzig aus dem Nachlass veröffentlicht wird im Rahmen der Edition der Karl-Hein-, äh, der Karlheim-Martineitiger Gesamtausgabe.

00:27:22: Beiträge zur Philosophie – das ist noch banal vom Ereignis als ich eben von da seinsgeschichtlicher Analyse gesprochen habe, geht es exakt darum dass Heidegger der Auffassung ist.

00:27:38: Es die traditionelle metaphysische Sprache wie wir sie eben bei den großen Lernen ist nicht in der Lage zum Sein vorzudringen.

00:27:52: Wir erinnern nochmal an Husserl Voraussetzungen, die abgeschichtet werden müssen wenn man zu den Phänomenen selber durchdringen will.

00:28:00: Wenn man zum Ursprung will... Der Urspring ist für Heidegger eine ganz ganz wichtige Kategorie.

00:28:07: Das Sein selber muss zur Sprache kommen und es kommt nicht in den traditionellen metaphysischen Kategorien und Begrifflichkeiten zur Sprach.

00:28:18: Und dann ist natürlich die Frage wie kommt es denn dann zur Sprachen?

00:28:23: Und da greift Heidegger jetzt gezielt auf die Sprache der Dichtung zurück.

00:28:30: Also Friedrich Hölderning, Georg Trakel und andere werden für ihn zu Instanzen etwas durch die als Medium das Sein selber sich zur Sprache bringt Dinge aussagen lässt die in der traditionellen Philosophie eben gar nicht sich aussprechen können, weil die Thermologie das verstellt.

00:28:56: Und wie denkt er das konkret?

00:28:59: Also es drängt sich mir jetzt die Parallele auf.

00:29:03: Wir haben bei Hussal gesehen, dass er das bei ihm Kunst eine wichtige Rolle spielt weil da auch etwas ein dem Menschen etwas entgegen kommt und den Menschen etwas aufschließt, dass sich vielleicht sonst gar nicht so leicht verbalisieren lässt.

00:29:20: Jetzt haben wir bei Heidegger diese Nähe zur Dichtung, zu Dichtkunst und auch diese Überzeugungen.

00:29:29: Darin bringt sich die Sprache des Seins zum Ausdruck – wie muss man das denken?

00:29:38: Was kann man von einem Dichter oder von Gedichten über das sein lernen?

00:29:44: Dass der Dicht da nicht alle dicht ist!

00:29:48: Aber eben für Dich Hölderlin als der Dichter, so kann ihn Heidegger einmal apostoffieren.

00:29:55: Dass in dieser Dichtung wenn es gut geht sich das Sein selber entwirkt.

00:30:04: Die Sprache sagt Heidega ist das Haus des Seins.

00:30:08: Also man könnte sagen, Philosophie wird bei Heidegger zur Sprachphilosophie.

00:30:12: Aber jetzt nicht in diesem analytischen Sinne wie wir ihn noch bei Bittgenstein etwa und den linguistischen Philosophien vor allen Dingen in den Vereinigten Staaten kennenlernen sondern Philosophied wird zur Sprachtphilosofie darin dass sie die Sprache abklopft.

00:30:32: Heideger macht auch deshalb manchmal einen leicht esoterischen Eindruck weil er Sprache nicht einfach hinnimmt als Bezeichnungsvermögen, sondern Sprache aufbricht verändert um Dinge deutlich zu machen.

00:30:48: Ein Beispiel habe ich eben mit der Existenz benannt oder das Nichts nichtet ein Satz über den sich der analytische Philosoph Und Hauptvertreter des Wiener Kreises Rudolf Karnab unglaublich aufregend konnte und er gesagt, was ist denn das?

00:31:03: Also es ist doch etwas, was nicht existiert kann ja gar nicht nichten.

00:31:07: Aber was Heidegger damit im Grunde sagen will – und der tut es ganz bewusst so weil es sich eben nicht in logischen Kategorien abbilden lässt dass nichts ist nicht einfach eine logische Kategorie im Sinne von Es gibt nicht Sondern das Nichts ist im Grunde etwas Bedrohliches.

00:31:27: Ich ein solchen Satz formuliere, dann mache ich den Horizont deutlich nicht im Sinne einer Naturwissenschaft die beschreibbaren Tatsache dass mein Leben eben in einem bestimmten Alter notwendigerweise aufgrund eines Organversagens oder eines Unfalls seinen Ende hat sondern es geht hier um einen Horizont der mich bedroht und über die menschliche Existenz hinaus eine umfassende Bedrohung allen Seins darstellt.

00:31:58: Und dieses Nichts nichtet, das heißt es hat eine Tendenz.

00:32:04: wir können die Wirklichkeit nicht einfach neutral beschreiben ist jetzt ein sehr tastender Versuch ein bisschen deutlich zu machen an einigen wenigen Aussagen von Heidegger in welche Richtung das läuft.

00:32:18: ja aber man hat den Eindruck gerade in den späteren Bergen, dass man es mit einem Dichterphilosophen zu tun hat.

00:32:26: Das ist auch sehr schwierig!

00:32:27: Man muss sich auf diese Terminologie einlassen.

00:32:30: Man kann das nicht wie Popper etwa Satz für Satz analysieren und den logischen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Aussagen aufdecken.

00:32:39: Also, der Duktus ist ... Der Heidegerschen Sprache ist sehr eigenwillig.

00:32:45: Ich hab befürchtet, dass ein meiner Dozenten im Theologiestudium mir den Heideger nachhaltig verdorben hat einfach indem er eine besonders schwer verständliche Seite aussein und Zeit vorgelesen hat und ich dann gedacht habe mein Leben ist zu kurz um ja so einen Scheiß anzuhören aber ich hab glaube ich dabei auch einiges verpasst gewöhnungsbedürftig.

00:33:10: Es ist teilweise, es macht einen manchmal vielleicht einen verschwurbelten Eindruck oder einen eigenwilligen Eindruck weil er ja auch und das passt aber zu dem was du jetzt gesagt hast und lässt ihn mich vielleicht auch ein bisschen besser verstehen oder ein bisschen wohlwollender auf ihn zugehen, weil das passt ja zu seiner Überzeugung, dass die Sprache das Haus des Seins ist und dass man mit der Sprache einerseits sehr bewusst umgeht aber nicht in einem eben analytisch philosophischen Sinne sondern er ist ja auch bekannt für diese einerseits für Wortschöpfungen eigenwillige und auch für ganz bestimmte Begriffsfüllungen.

00:33:54: Die jetzt nicht unbedingt der Alltagssprache entsprechen.

00:33:59: Bei ihm muss man dann ganz genau hinhören, was er mit diesen Begriffen meint eben mit Sorge.

00:34:07: Er spricht vom Entwurf, von der Geworfenheit und so.

00:34:12: Und das sind alles bei ihnen hoch aufgeladene Begriffe.

00:34:17: Oft nimmt er sie auch so auseinander quasi in die Begriffe in die Bestandteile, die dann für sich Eigenbedeutungen annehmen und so.

00:34:30: Man kann schon sagen ein Wort Künstler auch ein Stück weit.

00:34:33: das passt zu seiner Überzeugung dass die Sprache das Haus des Seins.

00:34:39: er muss mit der Sprache versuchen das Sein einzuholen.

00:34:46: Ja bin ich bei dir?

00:34:48: Er würde sie wahrscheinlich an einer Stelle verwahren.

00:34:52: Also er möchte nicht Wortkünstler sein, sondern er horcht die Sprache ab.

00:34:59: Er ist vernehmender!

00:35:01: Er deckt auf.

00:35:03: also zum Beispiel Aleteja Wahrheit ja?

00:35:06: Dann er nimmt den griechischen Begriff und er gebraucht ihn jetzt nicht im Sinne des Thomas von Aquin, Adequatio Intellectus Atres, also Korspondenztheorie der Wahrheit Die Aussagen müssten der Wirklichkeit entsprechen oder so Sondern A lete ja, a heißt auf weg.

00:35:26: A lette ja ist das aufgedecktet.

00:35:28: Das wird für ihn auch schon so ein Wortspiel, dass aber auch zum Beispiel wieder diesen phänomenologischen Ansatz wirklich macht.

00:35:37: Also da merken wir, dass der Phänomenologe ist.

00:35:39: Ja

00:35:40: also er will... Deshalb sagst du würde es sich gegen den Ausdruck Wortkünstler wehren weil er gerade nicht.

00:35:47: Er will gerade nicht etwas konstruieren,

00:35:50: sondern

00:35:51: er will etwas entdecken.

00:35:55: Er hat quasi einen phänomenologischen Zugang zur Sprache oder zum Sprachgebrauch.

00:36:01: Entverbindungsstrich.

00:36:03: Ja

00:36:03: genau das ist auch... Entdecken!

00:36:05: Aufdecken ja?

00:36:07: Also auch diesen Begriff nimmt ihr auseinander.

00:36:09: letzten Endes.

00:36:11: und Also, magst du das noch ein bisschen vertiefen?

00:36:16: Wenn jetzt Zuhörerinnen und Zuhörer sich fragen.

00:36:21: Ja okay aber was hat er denn unter den Strich... Was hat der denn jetzt entdeckt?

00:36:27: Was ist denn jetzt das Sein für ihn?

00:36:29: Wie kann man das für normalsterbliche irgendwie anfangsweise ansatzweise einsichtig machen?

00:36:38: Da wird es jetzt sehr schwierig und ich bin froh, dass wir dafür eine eigene Folge vorgesehen haben wo wir von bestimmten Aussagen dann ein Stück weit auch

00:36:49: ausgehen müssen.

00:36:51: Jetzt mit meinen Dürren und der Wahrheit ja gar nicht fähigen Worten gesprochen geht es um die These das die traditionelle Metaphysik eben im Blick auf die Gottes-und Seinsfrage Das ist mehr oder weniger identisch versagt, weil sie eben von dem Gegeben sein Gottes ausgeht.

00:37:13: Und Heidegger erhebt das in diesem Buch über das Ereignis und entwickelt fast so etwas wie eine Esiatologie die biblische Esiatologie.

00:37:26: ich vermute mal sogar dass die Parallele auch gewollt ist.

00:37:29: Die biblisch esiatologie lebt ja ganz stark vom ausbleibenden Gottes.

00:37:35: Das ist eine zentrale Figur seiner Theologie, seiner Religionsphilosophie.

00:37:42: Dass er aufdeckt Anzeichen dafür rekonstruiert dass wir in einer Situation leben wo das Ereignis unter Titel des zweiten Hauptwerkes sich ankündigt aber eben noch nicht da ist.

00:38:02: es klopft in gewisser Weise schon an Und es kommt darauf an für uns als Menschen, dass wir in einer Erwartungshaltung diesem Ereignis gegenüber leben.

00:38:16: Das ist jetzt völlig unzureichend aber es kann vielleicht eine gewisse Spur legen und es macht wenn jetzt jemand unter unseren Hörern und Höreren sagt das befriedigt mich jetzt aber überhaupt nicht.

00:38:31: was soll ich denn jetzt damit anfangen?

00:38:34: dann trifft das eigentlich schon auch eine kernte Rezeption dieser ganzen Gedanken.

00:38:40: Wir haben in der Rezeptionsformat in Heidegger zwei große Strömungen, die beide absolut nicht miteinander vereinbar sind.

00:38:51: auf der einen Seite ein begeistertes Lesen hören auf den großen Meister, der uns einführt in die geheimnete Designs auf die wir nirgendwo anders stoßen, schon gar nicht in dieser Technikphilosophie, dieser instrumentellen analytischen Philosophie.

00:39:11: Das ist ja alles nur ein Graus.

00:39:13: und wir haben auf der anderen Seite von Seiten dieser analytischen Philosophierichtung eine empörte Rückfrage kann das denn überhaupt Philosophies sein?

00:39:25: Ist das nicht im Grunde schon auf dem Weg zu einer pseudo-theologischen Esoterik.

00:39:32: Du hast den Begriff des Schwobelns gebraucht und so weiter, ja?

00:39:37: Und in dieser Spannung bewegt man sich wenn man seine Texte liest.

00:39:41: auf der einen Seite ... habe ich mich auch selber, als ich die Sachen jetzt noch mal rekonstruiert hab gesagt.

00:39:47: Also ist vielleicht nicht doch was dran?

00:39:50: Was spürt er denn?

00:39:51: Kann ich mit dem ganz entziehen?

00:39:53: Phänomenologische Methode wird nicht doch auch etwas aufgedeckt.

00:39:58: und auf der anderen Seite sagst du dir ja aber wie willst du solche Aussagen letzten Endes überprüfen können?

00:40:04: Entziehen sie sich nicht völlig der Rationalität.

00:40:08: Und damit... Eigentlich viel weiter kommt man in der Rezeption, der Kritik eigentlich nicht.

00:40:15: Du musst das glauben!

00:40:16: Ja also ich bin froh Peter dass wir... Wir nehmen uns mehrere Folgen Zeit.

00:40:24: Wir werden noch einmal eingehend auf seine Religionsphilosophie zu sprechen kommen und eine weitere Folge machen, auch eine sehr kritische Folge dann auch.

00:40:35: Also wir sind nicht am Ende des Versuchs Heidegger zu fassen oder zu kriegen.

00:40:44: Zum Schluss dieser Folge.

00:40:45: Ich will dir doch noch einmal einen Wald zuwerfen, wir haben anfangs gesagt Heidegas Philosophie ist eine Philosophiede der Krise.

00:40:55: es ist eine philosophie die ihn auch ziemlich schlagartig berühmt gemacht hat und die irgendwo trotz vielleicht auch wegen aber trotz dieser schwierigen, schwer zugänglichen Sprache irgendwo den Zeitgeist getroffen hat oder das Lebensempfinden von Menschen getroffen und anschließen konnte.

00:41:21: Kannst du versuchen irgendwie zu zeigen?

00:41:27: Wie antwortet Heidegger denn jetzt auf diese krisenhaften Zeiten?

00:41:32: Oder welche Antwort könnte man jetzt auf den Linien Heideggers geben in dieser, in der Krise seiner Zeit.

00:41:40: Warum hat das überhaupt Leute gefunden die das begeistert aufgenommen haben und fanden?

00:41:47: Das ist jetzt das Wort zur Stunde.

00:41:50: Ja... Das was du jetzt vielleicht ein Stück weit Abfrags sind ja Antworten.

00:41:58: Genau, fertige Antworten?

00:42:00: Befriedigende Antworten und genau das verweigerteidige gerade.

00:42:04: Und in einer Situation die absolut offen ist, die krisenhaft ist wo man nicht weiß wie es weitergeht angefangen von der politischen Konstellation.

00:42:14: Ja also ein paar Jahre später war die nationalsozialistische Machtergreifung.

00:42:19: hinter den Menschen liegt die humanitären Katastrophen des ersten Weltkriegs.

00:42:25: Persönlich erlebt man wirtschaftliche Schwierigkeiten und man hat den Verlust von Angehrigen ohne Ende zu beklagen.

00:42:34: In dieser Situation erwartest du nicht fertige Antworten, sondern du erwartst jemandem der dich versteht, der das Krisenhafte deiner Situation auf einen Nenner bringt.

00:42:47: und das schafft er in einer genialen Weise.

00:42:50: noch mal bezogen auf die Tradition Wir haben Ende des Neunzehnt, Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts natürlich noch eine ganze Menge Hegellianismus auch im Bereich der Theologie.

00:43:03: Also das Konzept dass es eine Vernunft gibt die in der Geschichte wirkt, die rekonstruierbar ist, dass wir ... Der ganze Fortschrittsgedanke lebt ja im Prinzip davon.

00:43:14: Es gibt immer wieder mal Irrtümer man kann sich aber korrigieren.

00:43:18: Im Prinzip hat die Geschichte nur eine Entwicklung nach vorne.

00:43:22: Das ist alles zerbrochen.

00:43:24: Und Heidegger sagt, schau nicht in die Universalgeschichte.

00:43:29: Guck in die Existenzgeschichte!

00:43:31: So eine unglaubliche Entlastung.

00:43:33: ich muss jetzt nicht mehr angesichts dessen was Ich und meine Angehörigen Meine Eltern und Großeltern erfahren habe Fragen wie vernünftig ist denn Jetzt dieses ganze geschehen?

00:43:43: Sondern ich darf wissen es gibt diese Wirklichkeit ist so beschaffen dass die Unterstellung einer waltenden Vernunft schlicht und einfach ein Unsinn ist.

00:43:57: Absolut unangemessenes, Und ich darf mich jetzt konzentrieren auf meine persönliche Existenz.

00:44:04: Ich darf Angst haben Es ist nicht ehrenröhrig Wenn ich mich sorge Ja?

00:44:12: Ich breche es jetzt mal bitte ganz banal runter Sondern das ist etwas was zu meinem Mensch sein gehört!

00:44:19: Ich muss das nicht verstecken.

00:44:20: ja Die Philosophie kommt in der Existenz des Menschen an.

00:44:25: Und das kommt unglaublich gut!

00:44:26: Ja,

00:44:27: also sehr hilfreich.

00:44:29: Peter vielen Dank für dieses herunterbrechendes.

00:44:33: Macht finde ich schon ein Stück verständlich weshalb Heidegger in dieser Zeit so anschlussfähig war und auch so bekannt und beliebt wurde.

00:44:45: Das lässt natürlich auch dann eine Frage in besonderer Schärfe wieder aufbrechen, auf die wir ja ausdrücklich zurückkommen wollen.

00:44:53: Wenn wir jetzt von unserer Zeit zurückdenken, woran ist jeder Gedanke eines Fortschritts-Denkens und einer irgendwie Weltvernunft, die sich durchsetzt definitiv zerbrochen?

00:45:08: Dann ist es natürlich die Geschichte des Zweiten Weltkrieges Schandtaten, die da verübt wurden.

00:45:18: und ausgerechnet an der Stelle schlägt Heidegger dann einen anderen Weg ein oder kommt zu einer Deutung, die hochproblematisch ist.

00:45:30: Und eine lange Wirkungsgeschichte.

00:45:33: Das haben wir jetzt in dem Verfolg des Lebensweges gar nicht mehr gesagt.

00:45:37: aber Er ist berühmt geworden in Deutschland auch durch diese Freiburger Rektoratsrede über die Wiedergeburt der Deutschen Universität.

00:45:49: Und er hat eben gemeint, in dieser politischen Bewegung des Nationalsozialismus quasi eine politische Parallele zu seinem eigenen phänomenologischen Vorstoß zu finden also eher selber.

00:46:02: es kommt doch auf an Schuttberge zur Seite zu räumen und wieder ursprünglich zu denken, ursprünglich zu sein.

00:46:10: Also vielleicht kann auch das noch eine niederschwellige Hilfe sein.

00:46:13: dieser Schwarzwald wenn ich dahin hineingehe in diesen Urwald?

00:46:18: Und ich rieche die Tannenadeln und ich spüre einfach das Ursprüngliche Diese ganze Technik-Zivilisation, diese Subjektobjektspaltung usw.

00:46:32: All das ist sekundär und diese ganzen Entwicklungen versperren auch das Wesen des menschlichen.

00:46:38: Und jetzt kommt da eine Bewegung so hat er das ursprünglich verstanden die ruft zu einer völkischen Wiedergeburt auf.

00:46:47: Die entdeckt auch das Volk als den Ursprung der eigene Mentalität des Selbstbewusstseins für den Einzelnen von dem Individualismus, der ja so gefährlich ist.

00:46:59: Der auch Anfang des Zwanzigsten war schon völlig ursprüngt geführte.

00:47:03: und wieder wir denken jetzt den Menschen im Kollektiv.

00:47:06: Und wir gewinnen die Kraft zurück!

00:47:09: Wir bauen Kultur und das hat Heidegger begeistert bejaht.

00:47:17: er hat dann das Führerprinzip an der Universität eingeführt Er hat die akademische Freiheit als ein Verfallsprodukt gesehen.

00:47:26: Es geht doch nicht darum, was Einzelne denken oder so ist doch vollkommen uninteressant.

00:47:30: Die Universität muss gleichgeschaltet werden in diese nationale Erhebung hinein und dann... ist er mit einem Mal, als die Nazis aufrüsten und dann eben doch erkennbar wird was sie wollen.

00:47:46: Diese immense Technikfreundlichkeit ja das ist eigentlich die Untertreibung schlechthin.

00:47:52: also diese Sätzen auf Militärtechnik, auf absolute Überlegenheit.

00:47:56: wir wissen alle von diesen Wunderwaffen die da noch in der Entwicklung waren und Gott sei Dank waren Sie zurück in der Entwicklung sonst wäre womöglich der Zweite Weltkrieg anders ausgegangen.

00:48:07: all das hat ihn total enttäuscht an.

00:48:10: Und er hat sich dann vom Nationalsozialismus abgewandt, aber nicht weil er nicht mit den Zielen übereingestimmt hätte sondern weil er den Eindruck hatte die bleiben hinter unserer gemeinsamen Zielsetzung letzten Endes zurück.

00:48:29: Aber das vertiefen wir dann nochmal.

00:48:31: Genau, da müssen wir noch mal eingehen darüber nachdenken den Nachspielern auch wo die Kipppunkte sind und an welchen Stellen diese Philosophie dann doch irgendwie unzureichend geschützt war vor diesen totalitaristischen Tendenzen oder sie sogar sehr entschieden begünstigt hat, also das wird uns in einer eigenen Folge beschäftigen.

00:48:57: Für heute würde ich sagen, biegen wir auf die Zielgerade ein Peter!

00:49:03: Vielen Dank für diesen ersten Einblick in Heidecker, in einen Denker, Spuren von Kierkegaer oder Impulse und Hustal zusammenkommen.

00:49:14: Und dann doch auch in einer ganz eigenen Weise fortgeführt, oder tiefer geführt werden zu einer Daseinsanalyse die in der damaligen Zeit großen Einfluss gewonnen hat und bis heute nachwirkt.

00:49:31: Nachwirkt

00:49:31: ja mindestens in der Theologie auch.

00:49:34: Da werden wir noch mehr Zeit zubringen.

00:49:38: Für heute ist Schluss und ich wünsche euch eine gute Zeit bis zu unserer nächsten Folge, wenn wir uns Heidegger noch einmal vornehmen.

00:49:48: Tschüss!

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