Martin Heidegger (Teil 2): Denken mit braunem Schatten
Shownotes
Manuel und Peter fragen, wie eng Heideggers Philosophie mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus verknüpft ist. Sie diskutieren, was von seinem Denken bleibt, wenn Werk und Biografie nicht sauber zu trennen sind.
In dieser zweiten Heidegger-Folge von MindMaps knüpfen Manuel und Peter an die Einführung in sein Denken an und wenden sich nun der politischen und moralischen Belastung seines Werks zu. In diesem Gespräch steht die Frage im Zentrum, wie Heideggers Nähe zum Nationalsozialismus seine Rezeption geprägt und verdunkelt hat.
Ausgehend von Heideggers Weg vom katholisch geprägten Milieu in Messkirch über Marburg bis nach Freiburg zeichnen die beiden noch einmal die Linien eines Denkens nach, das existenzielle Fragen mit grosser Schärfe formuliert und gerade deshalb einen so nachhaltigen Einfluss entfaltet hat. Zugleich zeigen sie, weshalb diese philosophische Wucht nicht von Heideggers politischer Verstrickung abgelöst betrachtet werden kann.
Zur Sprache kommen seine Rektoratsrede, die Absage an die akademische Freiheit, sein Verhalten gegenüber Husserl und seine anhaltende Weigerung, sich nach 1945 eindeutig vom Nationalsozialismus zu distanzieren. Manuel und Peter arbeiten heraus, dass Heideggers Kritik am Regime nicht auf dessen Menschenverachtung zielte, sondern darauf, dass es aus seiner Sicht den eigenen Anspruch eines «ursprünglichen» Aufbruchs verriet.
Ein wichtiger Teil der Folge gilt den Schwarzen Heften und der Frage, weshalb ihre Veröffentlichung ein Wendepunkt in der Heidegger-Rezeption war. Die dort greifbaren antisemitischen und verschwörungstheoretischen Motive verschärfen den Verdacht, dass es sich nicht um einen äusserlichen politischen Irrtum handelte, sondern um Haltungen, die mit seinem Denken zumindest eng verbindbar sind.
Damit führt diese zweite Folge die in der ersten bereits sichtbaren Bruchstellen konsequent weiter. Manuel und Peter fragen, wie man Heidegger heute lesen kann, ohne sein Werk vorschnell zu verwerfen und ohne seine Abgründe zu verharmlosen. Eine Folge über philosophische Grösse, politische Blindheit und die Zumutung, beides zugleich auszuhalten.
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00:00:18: Freundinnen und Freunde der Philosophie-Geschichte und des gepflegten Denkens.
00:00:24: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Mindmaps!
00:00:28: Hallo Peter, schön dich zu sehen und zu hören zugeschaltet aus dem Schwarzwald.
00:00:37: Wir hoffen die Verbindung hält für diese Folge über einen sehr spannenden Philosophen, mit dem wir uns in der letzten Folge bereits beschäftigt haben.
00:00:48: Wir reden noch einmal über Martin Heidegger und werden dann sogar die nächste Folge uns noch mit ihm beschäftigen was eigentlich schon andeutet dass es sich hier um einen sehr wichtigen Denker des zwanzigsten Jahrhunderts der Neuzeit überhaupt handelt, über den man an dem man nicht vorbeikommt wenn man eine Philosophie Geschichte zumindest nicht wenn man Eine westliche Philosophies Geschichte erzählen oder durchdiskutieren will und wir haben das in der letzten Folge schon angekündigt dass sie auch über die sehr düsteren und zweifelhaften Verbindungen oder eben unsweifel haften Verbindung Martin Heidekost zum Nationalsozialismus sprechen werden.
00:01:44: Und uns dann auch fragen werden, inwiefern beeinflusst untergrät und erläuft dieser diese Verbindung zum NationalSozialismus?
00:01:56: Auch unsere Wahrnehmung seines Denkens und die Anerkennung für seine Philosophie.
00:02:03: Und könnten uns von da aus auch grundsätzlichere Gedanken machen, wie es eigentlich um den Zusammenhang zwischen der Biografie dem Leben eines Philosophen oder einer Philosophin und ihrem Werk, ihrem Denken steht?
00:02:20: Inwiefern stehen diese beiden Größen in einem positiven Wechselverhältnis und in einem Verhältnis des Glaubwürdigkeitstransfers, und im Gesvern unterläuft oder untergräbt auch vielleicht das Leben eines Philosophen dann sein Denken.
00:02:40: Oder wirft einen Schatten auf seine Wahrnehmung?
00:02:43: Das ist bei Heidegger in den letzten Jahrzehnten auf jeden Fall so gewesen, dass seine Rezeption, seine Wiedergabe die Wiedergabe seines Denkens auch eingetrübt wurde durch seine nationalsozialistische Geschichte und Dinge, die da auch zu Tage getreten sind.
00:03:05: In jüngerer Zeit Peter, da wirst du uns noch weiter mitnehmen aber vielleicht um uns aus Betriebstemperatur zu bringen könntest du nochmal in groben Zügen in seinen Denk-und Lebensweg einführen damit wir von da aus dann die Brücke schlagen können zu seiner, wie soll man sagen nationalsozialistischen Periode oder Phase seines Lebens?
00:03:36: Ja.
00:03:36: Die wahrscheinlich nicht nur eine Phase waren.
00:03:39: das ist als der Hauptproblem mit der Rezeption.
00:03:41: also auch von meiner Seite aus herzliche Grüße nach Basel wo du gerade zurzeit bist aus dem Schwarzwald gar nicht so weit entfernt von dem Ort, in dem Martin Heidegger, äh, achtzehn, neun, achtzig geboren worden ist.
00:03:55: In Messkirch ländlich katholisch gesprägt, geprägt wie man so schön sagt, katholisches Milieu und im Gegensatz dazu du hast vor der abendländischen Philosophie gesprochen, ähm, im Rahmen von ihr Kopmern an Heideger nicht vorbei, der witzig Martin Heidegaard eben weit über den Westin aus einem riesen Einfluss gehabt und wird bis heute rezipiert.
00:04:21: Dieses Hauptwerk von ihm, das erste Früh- und Hauptwerk Sein und Zeit ist alleine sieben Mal ins Japanische übersetzt worden Und die Kyoto Schule, die in Japan sehr wichtig ist hat sich intensiv um seine Rezeption bemüht nur einmal deutlich zu machen mit welchen Spannungen wir es hier zu tun haben.
00:04:40: Auf der einen Seite, also dieser Ursprung dem Heidegger immer verbunden geblieben ist ein kleines Dorf im Schwarzwald das er nie hinter sich gelassen hat dass für ihn auch mentale eine ganz große Rolle gespielt hat.
00:04:57: und auf einer Seite diese wirklich weltweite Rezeption.
00:05:01: auf der einen seite dieser unglaubliche Einfluss in verschiedenste Bereiche philosophischer Strömung im zwanzigsten Jahrhundert.
00:05:08: Und auf der anderen Seite bis zu seinem Tod und über den Tod hinaus die Debatte, was können wir von einem Mann, der offenbar nicht in der Lage war?
00:05:20: Die Verbrechen des Nationalsozialismus einzusehen, sein Kooperation, Kollaboration auch zu bereuen ... Was können wir vor einem solchen Philosophen eigentlich
00:05:32: lernen?".
00:05:34: Vielleicht ist tatsächlich sinnvoll, sich kurz zu überlegen was war denn der Weg bis hin zu dieser Kollaboration die uns ja heute in dieser Folge vor allen Dingen beschäftigen soll.
00:05:46: Ich sagte schon Messkirch, katholisches Milieu.
00:05:51: Es wird sehr schnell klar dass dieser Dorfjunge überragend begabt ist und die katholische Kirche gibt ihm ganz schnell ein Stipendium.
00:06:03: Der junge Heidegger liest mit achtzehn die Dissertation von Brentano über die Kategorienlehre des Aristoteles.
00:06:10: Das sagt alles, also sowas würde ich freiwillig bis heute nicht lesen und er – die Frage nach dem Sein bei Aristotles in dieser DissERTATION ist dann etwas was ihn ein Leben lang auch beschäftigen wird.
00:06:25: Er kommt zu den Jesuiten ist aber auch nach wenigen Wochen aus dem Jesuiten Noviceat wieder geflohen, macht einen zweiten Anlauf.
00:06:36: Es ist klar durch dieses Stipendium das er von der katholischen Kirche kriegt, der unausgesprochene oder auch ausgesprocherne Wunsch und das Ziel dahinter ist, er soll priester
00:06:49: werden.".
00:06:50: Und er lässt sich eben darauf auch ein, aber es klappt nicht.
00:06:53: Es klappt auch nicht in diesem zweiten Schritt des Theologiestudiums.
00:06:56: und dann macht er neunzehnteilf einen Neuansatz.
00:06:59: Das ist sehr spannend!
00:07:00: Er fängt an Philosophie zu studieren, Mathematik- und Naturwissenschaften also man sollte Heideger da auch nicht zu früh in irgendeiner Weise einseitig festlegen, neunzelneizehn promoviert ihr über dem Psychologismus Eine Konzeption, die damals sehr aktuell war.
00:07:19: Eine Richtung, eine philosophische Richtung, die versucht hat, die Erkenntnistheorie auf den Emotionen aufzubauen und würde sagen heute ist vielleicht wieder aktueller aber damals hat man das sehr, sehr bekämpft.
00:07:33: Und aus Jahrzehnten schieb der dann direkt die Habilitation hinterher Über Dunskotus, einen der interessantesten, provozierendsten Denker des Mittelalters.
00:07:42: Da lernte er die Scholastik kennen.
00:07:44: auch das braucht er später.
00:07:46: Die ganzen Spuren dieser Dinge finden wir später bei ihm.
00:07:49: auch Er wird privatozent und die Hörer, die ihn damals schon mitbekommen haben sagen Das war faszinierend.
00:07:58: Wir sind hier nicht, wir haben ja nicht gesessen vor einem Leerstuhl Wo wir trockenes wissen weiter vermittelt bekommen haben oder wo es eben im Grunde nur um eine Art von Neukantianismus-Erkenntnis-Theorie ging, sondern wir haben erlebt wie hier jemand sich den existenziellen Fragen schon gestellt hat.
00:08:21: Wir müssen uns natürlich auch vergegenwärtigen das war die Zeit des Ersten Weltkriegs da sind Menschen gestorben Da hat eine Nation um ihr Überleben gekämpft.
00:08:32: Und all das und viele andere Einflüsse haben dann eben auch dazu geführt, dass interessanterweise Heidegger eben hier eine Art Philosophie schon begonnen hat zu entwickeln die später zu seinem Markenzeichen wird.
00:08:47: Kurze Zeit später bendet er sich dann ganz vom Katholizismus ab unter anderem auch unter der Lektüre von protestantischen Theologen.
00:08:55: Rudolf Muldmann wird für ihn sehr, sehr wichtig.
00:08:57: Martin Luther studiert er und was du eben schon angesprochen hast, Kierkegaer wird für ihm ganz, ganz wesentlich.
00:09:05: Wir haben ja in der Kirkega-Folge eigentlich schon deutlich gemacht, dass hier die entscheidende Weichenstellung auch für die Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts passiert.
00:09:13: Alles, was relevant ist muss durch mich hindurch kann das Individuum nicht übersehen.
00:09:19: Doch Sijewski darf man nicht vergessen Dilltay, der Begründer der
00:09:23: Hermeneutik.".
00:09:25: Und dann trifft er, auch darüber haben wir schon kurz gesprochen auf Husserl.
00:09:30: Den Begründer der modernen Phänomenologie wird sein Assistent und Hussern sieht in ihm schon nicht nur den Schüler sondern diejenigen, der seine Werk fortsetzen wird.
00:09:43: Nössler XXIII trennt sich dann Heidegger von Husshel.
00:09:47: das ist ganz wichtig.
00:09:49: Er wird philosophisch eigenständig, er geht nach Marburg.
00:09:55: Wir werden auf Marburg später noch mal zu sprechen kommen, wenn es um die Beziehung zwischen Heidegger und Hannah Arendt gehen wird.
00:10:03: Und in Marburg – wir haben Zeugnisse aus der damaligen Zeit – da ist er wirklich….
00:10:09: Er wird zum Beispiel von Karl Löwitz einem der wichtigsten Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts, der zu seinen Füßen gesetzt hat, bezeichnet als Der König unter den
00:10:18: Philosofen.".
00:10:20: Also eine Gestalt, die dann im Laufe der Zeit eine fast religiöse Verehrung durch die Anhänger erfährt.
00:10:30: Eine völlig neue Art von Philosophie auch schon durch das Auftreten.
00:10:35: Da ist nicht jemand deduziert sondern dem kann man beim Denken zuschauen.
00:10:41: Der wendet die Begriffe der referiert nicht philosophische Positionen, sondern sucht das Gespräch mit ihnen.
00:10:49: Übrigens also wenn man ein Einstich zu Heldiger finden will kann man ruhig auch zu diesen Rezeptionen kannt und das Problem der Metaphysik usw.
00:10:59: Zu diesen Rezensionen, zu diesen Auseinandersetzungen greifen weil es unglaublich spannend ist zu sehen wie Heidegger mit dieser philosophischen Tradition ins Gespräch kommt, wie er sich darauf einlässt.
00:11:10: Das sind nicht irgendwelche Positionen die ich abhandle sondern die ich befrage und zu denen ich mich verhalte.
00:11:17: Und das haben die Leute damals gemerkt.
00:11:20: Also
00:11:20: einen Denker der seine ... Philosophie und seine Schlüsselbegriffe quasi vor laufender Kamera beziehungsweise vor seinen Studierenden entwickelt hat.
00:11:36: Und der, wie du jetzt sagst, Fäden aus der philosophischen Tradition aufgreift.
00:11:44: von Kirkegaard dieses Existenzdenken auch diese, die auch gewisse Schlüssel Begriffe die bei Heidegger dann wieder auftauchen.
00:11:56: Von Hustel ist ein phänomenologischen Ansatz, also er greift schon auf Dinge zurück schließt positiv an sie an aber er wagt auch quasi einen konstruktiven kritischen Neuansatz den er dann entwickelt und der offenbar eine große Faszination auch seine Studierenden ausübt, sodass er eigentlich schon in seinen dreißiger Jahren zu einem philosophischen Schultiefstar wird.
00:12:30: Der einen breiten Einfluss, wie du es... Wie hast du es gesagt?
00:12:35: Eine fast schon religiöse Verehrung genießt und sich da wirklich zu ganz erstauntlichen Höhen aufschwingt.
00:12:46: Also schon, würdest du sagen, schon im Marburg ist das der Fall!
00:12:51: Ja, das ist schon in Marburg der Fall.
00:12:55: Aber schon in Freiburg!
00:12:57: Hans Georg Gadamer bekennt da später also den Begründer der modernen Hermeneutik, der auch theologisch sehr wichtig ist.
00:13:03: oder eben besagt er Karl Löwitz einer der führende Geschichtsphilosophen des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:13:09: und dass ist schon ... In den zwanziger Jahren kann man das letzten Endes bei ihm schon feststellen.
00:13:16: wenn wir das jetzt heute sagen dann ist ja das eigentlich Erstaunliche aber eben auch das, was Heidegger auszeichnet.
00:13:23: Dass er eine Art Philosophie entwickelt, praktiziert und lebt, die offenbar ziemlich einzigartig ist.
00:13:35: Das macht ja seine Faszination eben auch raus.
00:13:39: Es ist ein hochakademisches, ein hochintellektuelles Geschehen.
00:13:44: Aber es ist eben eins, dass durch meine Existenz hindurchgeht, dass auf Fragen eingeht die relevant sind.
00:13:51: Wir haben das ganz beim letzten Mal ja schon ganz kurz angesprochen, die Wahrnehmung dass unsere Existenz vom ersten Atemzug an auf den Tod zugeht.
00:14:00: Die Frage wie wir mit Verzweiflung umgehen.
00:14:02: du hast eben die Stichworte auch schon genannt Angst Sorge und so weiter.
00:14:07: hier begegnet man einem Denker der Fragen artikuliert die wirklich von letzter Bedeutung sind Und der mich nicht in seiner Philosophie mit Dingen konfrontiert, wo ich sage, wo ist denn da der Bezug eigentlich zu mir?
00:14:19: Ja ja.
00:14:20: Also
00:14:21: hochspannend!
00:14:22: Ja und du hast das auch schon angedeutet es ist auch eine Philosophiede ein Denken dass ihn seine Zeit passt.
00:14:30: Ich glaube wir haben letztes mal in der letzten Folge von einer Philosophies der Krise gesprochen quasi Heidecker als einen Krisenphilosof der in eine Zeit hinein spricht und in einer Zeit hinein denkt und philosophiert, die von massiven Umbrüchen auch von ganz existenziellem Leidem geprägt ist.
00:14:53: Das spielt eine Rolle.
00:14:54: da findet offenbar eine sehr konstruktive kreative inspirative Interaktion zwischen der Zeitheil-Decors und seinem Denken statt
00:15:07: Also mit Hegel gesprochen, den Geist der Zeit in Begriffe gefasst.
00:15:11: Wobei Begriff stimmt dann eben nicht mehr.
00:15:14: Das hat Hegel anders gemeint aber das Philosophie wirklich im besten Sinne widerspiegelt.
00:15:19: womit habe ich es denn eigentlich zu tun?
00:15:21: Aus heutiger Sicht würde man sagen ja ist er eigentlich selbstverständlich Ja Aber war's eben gerade nicht und das macht eben ein Stück weit auch seinen Einfluss aus.
00:15:30: Ja... Marburg haben wir schon angesprochen, wird er dann nach Marburg berufen als ordentlicher Professor.
00:15:38: Vorher war in Freiburg ja nur Privato-Zent und aber er hat doch keinen Lehrstuhl.
00:15:43: der Lehrstuel ist für einen deutschen Professor eigentlich das Nonplus Ultra.
00:15:47: Das muss man erreichen.
00:15:49: was ihm fehlt ist ein größeres eine größere Monographie.
00:15:54: ohne dass geht es nicht.
00:15:56: Und der hat ja diesen Lehrer Husserl der sehr sehr Einflussreiches und der sagt okay da helfe ich dir Und ich veröffentliche ein Manuskript von dir in einer Zeitschrift.
00:16:06: Die geht ja immer schneller, als wenn du jetzt zu einem Verlag gehen musst und der muss das lange planen und setzen usw.
00:16:13: Und im Endeffekt ist dann diese Monographie sein und Zeit Teil eins sowohl in diesem Jahr Bücher für Phänomenologie erschienen wie dann eben auch in Tübingen als Buch.
00:16:26: Interessante Duplicität der Ereignisse des Buches kam dann eben doch noch relativ schnell Und zwar, und mit einer Riesenpropokation ganz am Anfang.
00:16:40: Ich habe dir ja schon gesagt dass ich es gerne vorlesen würde womit das Buch beginnt.
00:16:45: Zitat von Platon damit beginnt er denn offenbar seid ihr doch schon lange mit dem vertraut was ihr eigentlich meint wenn ihr den Ausdruck seiend gebraucht.
00:17:02: Wir jedoch glaubten es einst zwar zu verstehen, jetzt aber sind wir in Verlegenheit
00:17:10: gekommen.".
00:17:11: Das ist Zeitdiagnose!
00:17:23: ist eine unglaubliche Provokation, der ganzen Sumpf im Grunde so einen Votum zuzumuten.
00:17:33: Und dann schreibt er weiter, haben wir heute eine Antwort auf die Frage nach dem was wir mit dem Wort Seient eigentlich meinen?
00:17:41: Also das ja die Grundfrage der Philosophie – Was ist denn da sein?
00:17:46: Seine Antwort hierauf?
00:17:47: die Frage keineswegs!
00:17:50: Und so gilt es denn, die Frage Das ist der Anklüpfungspunkt.
00:17:58: Wir lesen das heute und sagen, ja, es ist gut.
00:18:00: Aber wir sagen das eben nachhaltiger, nachdem er auf dieses Phänomen neu aufmerksam gemacht hat.
00:18:08: Und das ist dein
00:18:09: Programm dann?
00:18:10: Ja gerne!
00:18:11: Das ist ein Programm eigentlich.
00:18:12: Es ist eine Philosophie des Steins oder des Steienden und das versucht ihr nahe am am existenziellen Erleben des Menschen, versuchte das aus zu Buchstabigieren.
00:18:31: Aber der Begriff des Deins und des Deinden ist für ihn quasi der ganz zentrale Ausgangs- und Fluchtpunkt auch seines Denkens.
00:18:46: Sehr schön!
00:18:48: Das Versuch, der hast du gesagt.
00:18:49: Na an der Existenz des Menschen.
00:18:52: Und das ist der Riesenunterschied.
00:18:53: Wir haben ja über Husser gesprochen, Heidegger als Husserschüler ... Ja also die Methode von Hussern übernimmt er.
00:19:02: Die Phänomenologie dieses Abschichten, dieses zu den Dingen selbst vordringen aber erwendet sich ganz anders an.
00:19:09: bei Phänominologie ist bei Hussert Erkenntnis Theorie, seine reinen erkenntnistheoretische Frage und bei Heidegger wendet das auf die Existenz an.
00:19:19: Er will herausbekommen, wer sind wir eigentlich wenn wir existieren?
00:19:24: Und der Fachbegriff dafür ist eben Fundamental-Ontologie.
00:19:28: den führt Heideger dann in Sein und Zeit auch ein.
00:19:32: Und vielleicht ... Ich will das nicht vorlesen, dass wird zu lang aber wenigstens doch Kurz darauf hinweisen, es gibt aus dieser Zeit eine Vorlesung.
00:19:42: Das ist inzwischen alles veröffentlicht.
00:19:44: Grundprobleme der Phänomenologie wo der Heidegger diese husserlische Methode anwendet eben auf das Sein selbst und er knüpft interessanterweise bei Descartes an.
00:19:58: Descart' haben wir ja hier auch lang und breit schon behandelt.
00:20:01: mit dieser Unterscheidung ich darf das noch mal lateinisch sagen Reys Kurgitarans und Reys Extensair Rehst die Sache, das Ding, die Substanz.
00:20:11: Das denkende Ding, das Subjekt, das erkennt steht in anderen Dingen den ausgedehnten Dingen wir würden sagen dem Körper und den Substanzen gegenüber.
00:20:21: Und das ist die Grundunterscheidung bei der Dekat ja mit seiner Bewegung des methodischen Zweifels landet.
00:20:28: Und Heidegger sagt nun, dass es im Grunde die dann eben auch ein Dekat wurzelt und danach sind wir nicht darüber hinausgekommen, dass wir das Sein des Seinen so denken wie das Seinde existiert.
00:20:50: Wir machen keinen Unterschied!
00:20:52: Das heißt, wir ebnen – so ist sein Vorwurf – wir ebnen im Grunde den Begriff von Sein in das Seinder ein.
00:21:00: Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Begriff, den müssen wir an der Stelle einführen.
00:21:05: Heidegger sagt, wir müssen die ontologische Differenz wahrnehmen.
00:21:09: Wir müssen realisieren, dass das sein als solches etwas anderes ist als das sein eines Sturzs, eines iPhones oder auch als das Dasein des Menschen?
00:21:22: Das isst noch etwas mehr!
00:21:26: Und das ist im Grunde jetzt schon die Vorbereitung für den nächsten Schritt, den Heidegger dann auch geht.
00:21:31: In den späteren Schriften nach Sein und Zeit schreibt er Sein immer mit S E Y N. Um genau diese Differenz – da muss man natürlich in der deutschen Rechtschreibung etwas bewandert sein – um genau diese Deferenz zwischen dem klassischen Denken, dem seiendes Seinden und diesem Denken nach der Kehre wie er es nennt aufzunehmen.
00:21:57: Also vielleicht darf ich das gerade auch noch mal anknüpfen, um den Bogen dann zu schlagen.
00:22:03: Sein und Zeit, neunster siebenzwanzig erster Teil erscheint oder erste Hälfte Und in späteren Auflagen fällt dieser Untertitel erst der Hälfe weg.
00:22:15: Warum?
00:22:16: Weil Heideger sich nicht mehr in der Lage sieht die zweite Hälfte zu schreiben, ohne den ganzen erster Hälften neu zu machen.
00:22:23: Da dazwischen steht so etwas wie ... Nein, da dazwsichen steht das was Erkehren nennt.
00:22:28: Mhm.
00:22:29: Er kapiert dass er noch mal einen Schritt weitergehen muss und dieser eine Schritt besteht darin, dass er, wie du das eben schon beschrieben hast vor auf der einen Seite Das Dasein fokussiert mit dem ganzen existenzialen Sorge, Angst, Verzweiflung Seins und Tode Auf der anderen Seite aber dann kapiert, diese Konzentration auf das Dasein des Menschen greift viel zu kurz.
00:22:58: Ich muss – ich kann – ich bleibe zwar bei der Analyse des Daseins, aber entscheidend ist nicht das Densein des Menschens, dass es ein erstes Ärgernis philosophisch auch, sondern die Frage wie offenbart sich?
00:23:15: Wie zeigt sich das
00:23:16: sein?"?
00:23:17: SEY
00:23:19: im
00:23:19: Dasein des Menschen.
00:23:21: Was wird über das Sein als solches offenbar, wenn ich das Daseing des Menschen analysiere?
00:23:28: Wo?
00:23:28: das wollte ich gerne noch mal anknüpfen weil wir jetzt tatsächlich die Grundbegriffe der heidegerschen Philosophie schon einmal ein bisschen gesehen haben.
00:23:37: Ja also vielen Dank Peter für diesen schnell Durchgang noch einmal durch ganz wesentliche Stationen auch des Heidegerschen Denkens.
00:23:50: Ich fahre mich jetzt, aber wie kommt es denn dazu?
00:23:54: Dass ein Philosoph der ein so feines Gespür für die Existenz des Menschen, für seine Nöte und Begrenzungen, für die Bedrohung des Todes und die Sorge des Lebens jemand, der ein solches Gespüre entwickelt und seine Philosophie so maßgeblich daran orientiert.
00:24:21: Wie kommt es, dass so jemand ansprechbar und empfänglich ist für eine so brachiale und menschenfeindliche Ideologie wie sie der Nationalsozialismus darstellt?
00:24:36: Kannst du diese Verbindung aufzeigen?
00:24:41: Wie kriegt man das zusammen?
00:24:43: inwiefern Geht das eine stimmig und zwanglos ins andere über?
00:24:49: oder inwiefern ist es irgendwie ein Fremdkörper im Leben?
00:24:53: Und denken Heidekers.
00:24:57: Mit jeder Antwort, die ich jetzt gebe, wage ich mich auf das Kampffeld der Interpretationen.
00:25:03: Ich habe mich zwar sehr intensiv mit Heidegger beschäftigt aber ich würde ihn keiner Weise beanspruchen da ein Spezialist zu sein.
00:25:09: also ich gebe gerne weiter was sich mir auf diese in der Tat entscheidende Frage nahelegt.
00:25:16: Aber ich tust Ihnen, wie man heute so gern sagt auch im Bereich der Politik in aller Demut ... Wir haben über das Ländliche gesprochen.
00:25:26: Das Heideger hat Veröffentlichungen die den Titel tragen Der Feldweg Er kommt immer wieder, der Wald spielt für ihn eine ganz große Rolle das Ursprüngliche, das Urtümliche.
00:25:44: Das Motiv des Zurück zu den Ursprüngeln und das ist der Neuaufbruch um den es in der Philosophie geht.
00:25:53: Dieses Motiv hatten wir ja gerade eben schon mal ein Stück weiter auch angesprochen.
00:25:57: Neu-Aufbruch durch zurückgehen hinter die Perversionen der Entwicklung neu starten können aber nicht irgendwo sondern ganz am Anfang Eine gängige Erklärung, die mir sehr einleuchtet ist eben das Heidegger hier etwas Verwandtes gespürt hat.
00:26:17: Der Aufbruch des deutschen Volkes zurück zu den Ursprüngen eine Identität gewinnen, die eben daraus resultiert dass ich anfänglich denke Abschichte, was ist das Wesen des Völkischen?
00:26:37: und so weiter.
00:26:38: Und da sind natürlich Dinge ... Da hat er etwas gehört, was ihm mental sehr, sehr eingeleuchtet hat.
00:26:47: Er hat sich dann als Philosophen dieser Bewegung auch gesehen.
00:26:55: Nachdem er in Marburg war, das habe ich jetzt eben gar nicht genannt.
00:26:58: Aber wurde er zurückberufen auf den Lehrstuhl von seinem großen Lehrer Edmund Husser.
00:27:04: Das waren natürlich dann die Krönung seiner Laufbahn und wurde dann schnell so einflussreich dass man ihn im Mai zum Rektor der Universität gemacht hat.
00:27:15: Und dort hatte er eine programmatische Rede gehalten Hinweis auch auf das gibt, was du eben angesprochen hast.
00:27:25: Diese Rede heißt die Selbstbehauptung der Deutschen Universität und da ist eine Tonalität wenn man das liest.
00:27:34: es Ist jetzt nicht dass nationalsozialistisch Gassenhauerische Es ist kein Plumpe Antisemitismus aber es ist im Grunde wirklich nationalsozialistischer Sleng.
00:27:49: Die Verabschiedung des Akademischen, da sagt er die akademische Freiheit muss aus der deutschen Universität verstoßen werden.
00:27:58: Wir müssen zur Wahrheit des Wissens, zur Wahrhalt der Universität zu den ursprünglichen letzten Endes zurückführen und das gelingt nur wenn wir die Universität als Teil der Volksgemeinschaft verstehen.
00:28:12: also ich zitiere auch hier nochmal Es gibt drei Bindungen des Deutschen Auch des Studenten durch das Volk an das geschickte Staates im geistigen Auftrag.
00:28:24: Und diese drei Bindungen sind Arbeitsdienst, Wehrdienst und Wissensdienst.
00:28:30: Dieser Wissenstienst steht im Auftrag des Überlebens des Volkes letzten Endes.
00:28:37: Heidegger macht zwei Dinge.
00:28:38: An die Stelle von akademischer Freiheit kommt das Führungsprinzip keine Autonomie sondern wir folgen der Führung, der Leitung Weil sie weiß, worum es geht.
00:28:51: Weil sie die Identität definiert und nicht Reflexion-Kritik sondern im Grunde sich einfügen in das Ganze und Teil des Ganzenwerden.
00:29:02: dass ich mit den mir gegebenen Gaben befördere Das ist der Grundton dieser Rede.
00:29:09: Und wenn man das liest, dann merkt man, dass es jetzt nicht der Versuch sich anzubiedern.
00:29:14: Sondern Heydegardt hat den Eindruck, dass sie etwas zusammen findet was zusammen gehört.
00:29:20: Ja ja
00:29:21: und er knüpft quasi unter dem Titel oder unter dem Ruf nach einer Verbindlichen... Nach einem verbindlichen Beitrag des Deutschen Bürgers zur Volksgemeinschaft, da ruft er eben nicht nur den Arbeitsdienst und den Wertdienst auf sondern sind auch eigentlich die Akademie.
00:29:45: Die Universität ganz radikal in dem Dienst der Volksgemeinheit gestellt und von daher ist für ihn dann auch die akademische Freiheit gerade nicht das zu verteidigende Ziel, sondern eigentlich eher ein Störfaktor der die Kräfte zerstreut und diese Konzentration oder diesen Dienstnahme der Wissenschaften für das Volk unterläuft.
00:30:18: Also von daher kommt er zu einer relativ unzweideutigen und scharfen Kritik auch der akademischen Freiheit?
00:30:28: Ja, genau so ist es.
00:30:31: Also wir haben über Dekat gesprochen, wir haben kantgesprochen.
00:30:36: Kantautonomie, Kritik ja?
00:30:39: Für Heideger sind das letzten Endes Entwicklungen die Kraftkosten, Kraft zerstören.
00:30:49: Der Wissensdienst ist der Dienst am Volk, der ihm hilft bei der Gestaltung des Schicksals.
00:30:59: Genau wie der Wehrdienst hilft, die Nation nach außen zu verteiligen.
00:31:03: So hilft ... Der Wissensdienst also die Wissenschaft hat die eine Aufgabe dem Volk zu helfen bei den Herausforderungen vor denen es in seinem Schicksal steht.
00:31:14: Also das ist auch eine kollektivistische Orientierung unter einer propagierten Führung.
00:31:24: Er schließt diese Rede ab Mit einem noch mal einen Platon-Zitat, alles Große steht im Sturm.
00:31:33: Da spürt man natürlich auch wieder die Dreißiger Jahre.
00:31:36: Man spürte noch Versailles und den Ersten Weltkrieg, man spürtt die Orientierungslosigkeit der Weimarer Republik, diese ganzen Birnen.
00:31:45: Und Heidegger sagt ich stelle mich jetzt in diese Bewegung hinein und mache mich zu einem Teil von ihr und helfe zu dieser Konzentration.
00:31:56: Und ich weiß nicht, ob du das an der Stelle schon ausführen wolltest.
00:32:01: Aber genau auf diesem Hintergrund oder in dieser Motivlage kommt er ja dann auch zu einer scharfen Kante gegen seinen ehemaligen, ehemals verehrten Lehrer Husserl und zu einer Unterstützung seiner seines Verweises von der Universität.
00:32:29: Und ich weiß nicht, ob du das jetzt schon einbringen wolltest – aber das ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt auch, weil Husser ja ein jüdischer Gelehrter war, der natürlich unter den Einspänkungen des Nationalsozialismus und unter der sich zuziehenden Schlinge wie man mehr auch geliebt hat.
00:32:55: Und Heidegger hat ihn da gerade nicht verteidigt oder in Schutz genommen?
00:33:00: Nein, also das muss man sich wirklich ja nochmal auf der Zunge zergehen lassen.
00:33:06: Heideger ist der wichtigste Schüler von Husserl übernimmt dessen Methode er ist dessen Oberassistent.
00:33:13: Hussler trotz der erkennbaren philosophischen Differenzen veröffentlicht sein und Zeit im Jahrbuch Er fördert ihn, er sieht ihn als den Fortsetzer seiner Arbeit.
00:33:28: Und dann geht Heidegger hin und unternimmt nichts um ihn vor den Folgen der nationalsozialistischen Rassengesetze zu schützen.
00:33:41: Es gibt eine schöne Veröffentlichung die ganz aktuell ist, die will ich doch auch in die Kamera gerne halten das Buch von Oliver Jarraus verstrickte Philosophie Heidegger und der Nationalsozialismus, da wird eben dann auch dokumentiert wie er persönlich gegenüber Husserl schuldig geworden ist.
00:33:59: Hussel der Zugang zur Universität als Emiritus will und Heideger sorgt persönlich dafür dass in dieser Zugang verwehrt wird.
00:34:07: das sind Dinge die man genauso wenig versteht wie dass er sich offenbar ohne Skruple einer Rassenideologie einem Nationalismus anschließen konnte der sich an erster Linie gegen das Judentum richtet und er gleichzeitig mit einer Jüdin aufs Ängste verbunden war.
00:34:28: Wir reden von Hannah Arendt, das wird uns ja auch noch mal zu beschäftigen
00:34:32: haben.".
00:34:34: Das Interessante ist dann eben Heideger hat dieses Amt als Rektor noch nicht einmal ein Jahr inne – die Sache geht schief!
00:34:47: Spione des Regimes in seinen Vorlesungen saßen, weil ihn dieser Heidegger der die Ziele der Bewegung mit philosophischen Mitteln zu erreichen sucht nicht ganz geheuer ist.
00:35:00: Und Heidegher merkt das ist das falsche Instrument und er kommt... Das gehört einfach alles auch zur Abrundung des Bildes dazu.
00:35:09: Er kommt zu sehr kritischen Wertungen der Entwicklung.
00:35:13: Also für Heidegger ist er ein ganz wichtiges Philosophem.
00:35:19: Die Kategorie der Vorstellung, der Objektivierung des Kategorisierens oder konkret ausgedrückt der Technik.
00:35:28: also was Heideger kritisiert an der Neuzeit und Modernen unter der Aufklärung es dieser zählende berechnende Umgang mit der Wirklichkeit und er merkt Stichwort Aufrüstung Stichwort kulturelle Entwicklung in Anführungsstrichen im Nationalsozialismus, dass das genau den Nationalsocialismus auszeichnet.
00:35:52: Dieser quantifizierende berechnende baunnde Umgang und er ist tief enttäuscht und zieht sich zurück auch von diesem Amt des
00:36:03: Rektorats.".
00:36:04: Also ich finde es ein wichtiger Aspekt oder eine wichtige Einsicht, die aber auch etwas Befremdliches hat.
00:36:15: Das Heidegger geht auf kritische Distanz zum Nationalsozialismus dort wo er sein Ursprungsdenken verletzt oder unterwandert ist Wo er das Gefühl hat, jetzt geht es aber nicht mehr darum quasi an diesen Ursprüngen.
00:36:40: An diese Urtühlchen anzuknüpfen, quasi zurückzugehen zu dem Wurz und sich selbst von da aus neu zu entdecken sondern dort wo dann ein technisierter instrumentalisierter, funktionalisierender Weltzugang übernimmt.
00:37:00: und im Nationalsozialismus kommt natürlich ein Stück weit beides zusammen.
00:37:04: Also so quasi ein mythisch aufgeladenes Gerede vom Germanentum von diesem ursprünglichen deutschen Volk und die deutsche Volkssäle mit einem ... Gerade zu aggressiven Entwicklungsgedanken und Technisierungsgedanken, man versucht ja den ganzen Mächten außerhalb Deutschlands immer eine Nase länger voraus zu sein in der Entwicklung neuster Waffen und Neustarteknologien und Systeme usw.
00:37:42: Und da geht es ja in eine ganz andere Richtung.
00:37:46: Und ihr, die wo im Nationalsozialismus wahrscheinlich aus pragmatischen Gründen kommt das ja zusammen.
00:37:54: Man will nicht zurück zu Pfeil und Bogen sondern in Gegenteil voran zur Atombombe oder weiß nicht was?
00:38:01: Das ist heideger Suspekt!
00:38:03: Es ist dann quasi nicht... oder zumindest nicht vordergründig diese absolut menschenverachtende Ideologie, oder dieser Antisemitismus an dem er Anstoß erredet.
00:38:17: Sondern der Verrat dieses Ursprungsdenkens – das hat ja auch etwas Befremdliches, oder?
00:38:24: Absolut!
00:38:25: Das ist auf den Punkt gebracht.
00:38:28: Also wir würden aus heutiger Perspektive erwarten, na ja.
00:38:32: Aufgrund der Beziehung zu Hannah Arendt und seinem Lehrer die beiden Juden waren.
00:38:38: Hat er sich damit kritisch auseinandergesetzt?
00:38:41: Wenigstens privat!
00:38:43: Er hat sich vielleicht politisch angepasst aber das ist nicht der Fall sondern die Enttäuschung setzt da an wo ich sage es jetzt mal ganz drastisch Der Nationalsozialismus hinter seinem Wesen zurück bleibt wo er eben keine ursprüngliche Bewegung ist, sondern im Grunde die Dekadenz der Aufklärung und Moderne nur fortsetzt beziehungsweise auf eine Spitze treibt.
00:39:08: Und das ist das was Heidegger enttäuscht.
00:39:11: Er hat sich – ich musste es eben sagen dieser Rückzug diese wechselseitige Enttäuschung des Regimes von Heideger über das Regime –
00:39:22: er
00:39:22: hat sich bis Mai nicht vom Regime distanziert.
00:39:30: Er war eines DAP-Mitglied relativ früh, er ist nicht aus der Partei ausgetreten.
00:39:36: also das macht auch nochmal deutlich etwas was später eine ganz große Rolle spielt wenn man seine Haltung nach dem zweiten Weltkrieg zum Nationalsozialismus verstehen will.
00:39:46: es geht nicht um eine Verabschiedung des Nationalsocialismus sondern dieser pervertierten Gestalt.
00:39:52: die kritisiert er aber die Grundideen Das, was er dafür hält.
00:39:57: An denen hält der nach wie vor fest und deshalb sieht ja auch nach dem zweiten Weltkrieg überhaupt keinen Grund da irgendetwas zurückzunehmen.
00:40:05: man hat das sehr erwartet dass nach fünfundvierzig irgendwie es hätte ja auch nahegelegen ja man will sein Lehrstuhl behalten usw.
00:40:14: Irgendwie zu sagen ich habe mich geirrt oder so.
00:40:17: ja und Hannah Arend macht diesen Vorschlag auch und sagt das ist ein Meisterdenker Unüberholbare Kapazität, wir verdanken ihm ganz viel als Fachbilosophen.
00:40:29: Aber menschlich hat er eben gehört.
00:40:31: das ist das Modell was vorgeschlagen wird und Heideger lässt sich darauf nicht ein.
00:40:38: Ja ja es verrückt.
00:40:40: Er hält da fest.
00:40:43: Er versucht aber doch vielleicht passt das an der Stelle weil ich die neue herausgabe in der er behauptet, eigentlich nachzudrucken war es eher in der Ursprünglichen.
00:40:58: Da ging's um die Einführung in die Metaphysik.
00:41:00: Es war glaube ich nicht die Schrift.
00:41:03: Er sagt das wäre quasi ein Nachdruck unverändert und man merkt dann bei genauer Analyse dass es eben kein identischer Nachdrucks ist sondern dass er da schon an einer Stelle modifiziert hat.
00:41:16: vielleicht kannst du das da ausführen?
00:41:18: Kommt da nüft auch Habermaßen an der Stelle.
00:41:21: Ja, richtig!
00:41:23: Das muss man ja so ein bisschen kontextualisieren.
00:41:27: also nach dem zweiten Weltkrieg ist er völlig offene Situation.
00:41:31: Heidegger wird emmeritiert und entgeht auf die Art und Weise der Relegation vom Lehrstuhl.
00:41:38: das wäre ja verbunden gewesen mit einem Verlust auch der Pensionsbezüge.
00:41:44: Also das ist eine ganz ganz offene und schwierige Situation.
00:41:48: Nebenbei vielleicht ist das auch noch mal interessant, Karl Jaspers mit dem er in den zwanziger Jahren befreundet war.
00:41:55: Der andere große Existenzphilosoph, deutscher Sprache wird von der französischen Besatzungsmacht aufgefordert doch einen Gutachten zu Heidegers Philosophie zu schreiben und mit dem Hintergrund zu klären ob man ihn wieder seine Rechte als Professor einsetzen kann oder wiederlesen darf.
00:42:14: Und Jaspas fair er differenziert.
00:42:19: Er würde die philosophische Kompetenz, aber er benennt eben auch ... Die politischen Verirrungen und das hat zur Konsequenz, dass Heidegger nicht rehabilitiert wird.
00:42:31: So jetzt kommt das andere.
00:42:33: du hast von Jürgen Habermas gesprochen?
00:42:35: Von Jürg-Habermas haben wir verschiedene Haltungen zu Heidegern.
00:42:39: Das war ein.
00:42:40: Fünfzig gibt es einen Artikel in der FAZ, da war Herr Habermas doch gar nicht bekannt unter dem Titel mit Heidegger gegen Heideger.
00:42:49: Da versuchte er ihn den Schutz zu nehmen.
00:42:52: Er ist im Grunde Heidegärriana.
00:42:54: Er sieht die Größe dieses Meines, was man ihm philosophisch verdankt.
00:42:58: und ein Jahr später passiert das, was du gerade eben angesprochen hast wird eine Vorlesung Die Heidega nr.w.k.
00:43:05: gehalten hat Einführungen in die Philosophie Also kurze Zeit nach den Vorgängen, die wir eben besprochen haben.
00:43:12: Die wird neu veröffentlicht, angeblich unverändert.
00:43:19: Einführung in die Metaphysik?
00:43:20: Genau!
00:43:21: Einführungen
00:43:21: in der Metaphystik habe Maslis das Ding und ist entsetzt.
00:43:28: Rezensiert es in der Frankfurter und weist auf eine entscheidende Stelle hin – die darf ich auch mal gerade vortragen, weil sie wirklich von entscheidender Bedeutung für die ganze Debatte ist.
00:43:42: Und diese Stelle wo Heidegger wirklich die Hose runterlässt was die Frage nach der Haltung zum Nationalsozialismus angeht wird zum entscheidenden Auslöser dann auch der weiteren Debatte.
00:43:55: und diese Stelle lautet also ein Zitat das zunächst mal unverändert weitergegeben zu sein scheint was heute vollends als Philosophie des Nationalsozialismus herumgeboten wird, aber mit der inneren Wahrheit und Größe dieser Bewegung.
00:44:23: Nicht das Geringste zu tun hat!
00:44:26: Das macht seine Fischzüge in diesen trüben Gewässern der
00:44:29: Werte.".
00:44:30: Und Habermas sagt,"Das kann nicht
00:44:33: sein!".
00:44:33: Der lässt diese Aussage und verändert Nachtruppen, spricht von der inneren Wahrheit und Größe dieser Bewegung die sechs Millionen Juden das Leben gekostet hat.
00:44:43: Ja?
00:44:44: Im zweiten Weltkrieg wesentlich ausgelöst hat.
00:44:48: So!
00:44:48: Und das ist der erste Punkt – wie kann das sein?
00:44:52: Der zweite Punkt ist es gibt in diesem Zitat über dass Heidegger mit seinem Verlag gesprochen hat ob er das wirklich so übernehmen will.
00:45:02: auch das ist nochmal wichtig Gibt es zwei Korrekturen, aber diese Korreakturen sind bezeichnend.
00:45:10: Da heißt das ja mit der inneren Wahrheit und Größe dieser Bewegung.
00:45:14: im Original steht statt Bewegungen Nationalsozialismus.
00:45:19: Das heißt da hat er den Nationalsocialismus abgeschwächt zu dem Begriff der Bewegung.
00:45:25: Und er hat noch etwas anderes gemacht Hat nämlich diese Bewegung nochmal in einer Klammerbemerkung erläutert Nämlich mit der Begegnung der planetarisch bestimmten Technik und des neuzeitlichen Menschen.
00:45:39: Planetarische bestimmte Technik ist was ganz Schlimmes, und der neuzeitliche Mensch sowieso.
00:45:45: Das heißt diese Bewegung wird gekennzeichnet durch die Verirrungen Und sie wird abgegrenzt gegen den wahren Nationalsozialismus.
00:45:59: Das Gewicht dieses Vorgangs kann man sich gar nicht schwer genug vorstellen.
00:46:04: Heidegger sichert sich ab, indem er sagt der wahre Nationalsozialismus ist ja im Grunde ein anderer und er distanziert sich von bestimmten... Merkmalen, aber das sind nicht die, die uns am Märzen liegen aus humanistischer oder christlicher Perspektive oder jüdischer Perspektiven.
00:46:22: Sondern es sind im Grunde philosophische Merkmale und er nimmt den Nationalsozialismus als solchen sogar noch in Schutz.
00:46:30: Man könnte sogar sagen eben Heideckers Kritik war eigentlich... Das in unserer heutigen Sprache würde man vielleicht sagen, dass der Nationalsozialismus sich vom Zeitgeist zu sehr hat beeinflussen lassen und nicht konsequent genug dieses Ursprungsdenken hoch gehalten und verfolgt hat.
00:46:56: Das hat ihn gestört!
00:46:58: Und wenn man das im Rückblick, im Nachgang einer so
00:47:03: unfassbar
00:47:04: grausamen und menschenunwürdigen Menschen verachtendem Geschichte sagen kann, ohne dass der dürfte super spüren aus diesen Gründen den Nationalsozialismus zu verabschieden.
00:47:19: Das lässt schon irgendwie tief blicken vor allem weil ja die Modifikation dieses Satzes schon auch zeigt das Heidegger sehr wohl wahrgenommen hat, was er da gesagt hat und die Prisanz durchaus erkannt hat.
00:47:38: Also man kann ihm jetzt nicht wohlwollend unterstellen, er hätte halt die Neuauflage dieses Buches gutgeheißen und sich nicht mehr ganz genau erinnert, was der da zum Nationalsozialismus so gesagt hat.
00:47:53: Er hat das offenbar sehr bewusst redigiert und nochmal abdrucken
00:47:59: lassen.".
00:48:00: Richtig.
00:48:01: Und dass es genauso ist, also Leute haben ihn drauf angesprochen mehrere und haben gesagt, willst du das wirklich so machen?
00:48:10: Er ist bei diesem Zitat geblieben und hat es im Grunde durch die Ergänzung noch verschlimmbessert.
00:48:15: Nebenbei gesagt hat er damit auch in gewisser Weise getäuscht.
00:48:20: aber diese Täuschung ist dann sogar so, dass er seine Haltung zu Nationalsozialismus noch einmal verschlimmbessert hat.
00:48:29: ja Also es wäre ja durchaus möglich gewesen, was man ihm vorgeschlagen hat auf dieses Zitat zu verzichten.
00:48:35: Das hat aber nicht gemacht und das ist eine der Gründe dafür weshalb heidiger nach dem zweiten Weltkrieg eben auch immerhin – das war ja intellektuell redlich – nicht gesagt hat tut mir leid Leute ich habe mich da gehört Sondern er sagt tut mir Leute heute Ich kann das nicht zurücknehmen.
00:48:53: Ja weil da etwas passiert ist was im innersten meinen Überzeugung auch entspricht, nur so kann man das eigentlich letztendlich interpretieren.
00:49:03: Ja und ich habe das in der Einleitung schon angedeutet diese Nähe Heidegers zum Nationalsozialismus, diese wirklich sympathie, diese Faszination für diese fürchterliche Bewegung hat seine Rezeption beeinflusst und dann auch eingetrübt.
00:49:25: Es gab da aber noch einmal einen ganz einschneidenden Punkt in der Heidegger Rezeption, die mit den sogenannten Schwarzen Heften zu tun hat.
00:49:37: Vielleicht kannst du das doch einholen?
00:49:39: Weil das ist so ein, wenn ich es richtig verstanden habe, doch auch nochmal ein gewisser Kipppunkt gewesen in der öffentlichen und psychologischen Wahrnehmung Heideggers!
00:49:52: Richtig.
00:49:53: Also es hat Anfang der Achtzigerjahre, auch das gehört jetzt einfach zur Rezeption noch mal dazu, wenn wir über diese Diskussion reden, ein Buch gegeben, dass die ganze Debatte auch nochmal aufgearbeitet hat von Viktor Farias, Heidegger und den Nationalsozialismus ... Das war so zu sein... Das hat insgesamt gesehen die Debatte noch einmal ja aufgeregt, angeregt.
00:50:18: Und dann kam nach dem Tod Heidegas sind die Tagebücher veröffentlicht wurden.
00:50:24: Acht
00:50:25: dicke Bände, mehr hundertseitig mit privaten Notizen durchgehenden Kommentaren zum Tagesgeschehen und nachdem bis dahin es immer noch pro und kontra gab war die Sache damit entschieden.
00:50:41: Heidegger folgt in diesen Tagebügern im Grunde einer antisemitischen Diktion.
00:50:51: sogar der Anti-Judaismus ist mit Händen zu greifen.
00:50:55: Es gibt verschwörungstheoretische Aussagen über die Rolle des Weltjudentums, dass eben global eine verhängnisvolle Rolle spielt.
00:51:07: Er ist sich dann auch nicht so schade über das Judentum, dass in finanzieller Weise die Weltherrschaft anstrebt, Stichwort Verschwörungsthorie, zu zitieren und sieht darin philosophisch wieder ein ausdrucktes des berechnenden, also pervertierten Weltumgangs.
00:51:27: Also das muss man sich mal geben.
00:51:29: seit der Veröffentlichung dieser acht Bände die natürlich auch jetzt noch nach und nach erst ausgewertet werden es erscheinen ständig noch neue Artikel dazu ist im Grunde klar wie Heidegger eben auch persönlich eingestellt war.
00:51:46: zum Nationalsozialismus.
00:51:52: Was du jetzt gesagt hast, dass quasi für ihn dann das Judentum eben ganz entsprechend der Klischees- und Verschwörungstheorien die damals kursierten.
00:52:05: Und bis heute immer mal wieder das fröhliche Urstand feiern, dass er das Judentoom als Aufgipflung dieser technisierten oder funktionalisierten, oder eben dieser als Aufgipflung eines Weltzugangsverstands der alles in einen Verwertungszusammenhang bringt.
00:52:32: Und beim Judentum kommt er über diese Idee des finanziellen, der Finanzenite und so kommt er da drauf.
00:52:41: Da ist quasi sie ihnen.
00:52:43: dann bei den Juden wird Geldbeträge umgewertet.
00:52:47: Da wird alles quantifiziert und damit verliert man eigentlich diesen Ursprüngs im Weltzugang, der seine Philosophie auszeichnet.
00:53:00: Also er hat es gibt... also kurz gesagt Es gibt für ihn philosophische Gründe das Judentum zu verachten weil er in Judentun Genau das wird, was in der Moderne eigentlich schiefläuft mit der Menschheit.
00:53:25: Ja?
00:53:26: So ist es ja.
00:53:28: Also es ist ein Exponent von Aufklärung, Rationalismus, von einem Verwertenden – du hast das eben deutlich gemacht!
00:53:36: Von einem verwertenden, rein quantitativen Vorstellenden des ursprünglichen Vergessenen und Übersehenden Weltumgangs Exponent?
00:53:48: Ja.
00:53:50: Und davon hat er sich zeitlebens nie grundsätzlich verabschiedet.
00:53:56: und spätestens seit der Veröffentlichung dieser schwarzen Häftig, dieser Tagebücher ist völlig klar geworden wie tief das Heidegersche denken auch in diesen nationalsozialistischen und antisemitischen Bahnen sich bewegt hat.
00:54:16: Also man kann heute nicht mehr guten Gewissens sagen, das war einfach irgendwie ein verwirrte Ecke seines Denkens oder irgendein philosophischer Betriebsunfall sondern das war mit seinen Denken organisch verbunden.
00:54:39: Ja jedenfalls verbindbar!
00:54:45: Man muss jetzt mal gucken, oder man muss sehen, dass die Rezeptionsgeschichte die weltweite sich dann noch unterschiedlich vollzogen hat.
00:54:52: Also in Deutschland war damit – oder ist damit ja schon eine Entscheidung der Weichenstellungen verbunden gewesen?
00:55:00: In Frankreich sah die Reception ganz anders aus.
00:55:04: Sartre hat auf der Basis von sein und Zeit seine eigene Existenzphilosophie entfaltet.
00:55:12: Heidegger war darüber überhaupt nicht glücklich.
00:55:14: Er hat gesagt, er hat mich gar nicht richtig verstanden.
00:55:16: Aber immerhin da hat er also weitergewirkt.
00:55:21: Französische Exzentialismus, Sate und in gewisser Weise sogar auch Camus wobei man ja zwischen den beiden noch ein Stück weit unterscheiden muss Und Merleau-Pontier der Phänomenologe Der sich auch als heidiger Schüler sieht.
00:55:36: Also die sind einfach unabhängig von diesen Traditionen, die sie auch nicht so sehr belasten mussten.
00:55:42: Auf das heiderische Werk der Existenzanalythik, Daseinsanalytik zugegangen.
00:55:47: und ganz interessant ... Das wird uns ja später noch beschäftigen.
00:55:51: postmoderne Philosophen wie etwa- und vor allen Dingen Shakhtiri da können nahtlos eben auch an die Philosophie Heidegers anschließen.
00:56:02: An die Destruktion der Metaphysik an Nietzsche-Studien und so weiter.
00:56:08: Also, wir verdanken Heidegger ja mit zweibänden Nietzschestudien auch einen völlig neuen alternativen Zugang zu Friedrich Nietzche.
00:56:18: Das hat uns schon beschäftigt.
00:56:20: Und das kann hier von französischen postmodernen Denkern auch mal relativ unvorbelastet akzeptiert und aufgenommen werden?
00:56:31: Ja ... Ja!
00:56:34: Peter... Und die Stunde unseres Gesprächs ist schon praktisch voll, vielleicht aber doch noch auf der Zielgerade.
00:56:44: Ich glaube das könnten hier jetzt sogar in einer weiteren Folge ausführen.
00:56:48: Aber auf der Zwiegerade diese Frage nach der Verbindung von Person und Werk vielleicht in einem etwas grundsätzlicheren Sinne noch ein Stück weit hat sich ja schon geklärt dass man das Denken dass philosophische Denken heidekost nicht so einfach von seinem Leben und seinen nationalsozialistischen Neigungen und antisemitischen Haltungen abziehen kann, das man muss sagen kann, dass eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
00:57:22: Das hast du eigentlich schon relativ deutlich gemacht in der Rezeption solcher Denker.
00:57:28: Ich habe für das Gefühl es gibt zwei Klippen oder zwei Seiten, auf denen man vom Pferd fallen kann.
00:57:38: Das eine ist zu sagen der Martin Heidecker hat war ihm den Nationalsozialismus verwickelt.
00:57:47: Ergo gibt es von ihm und seinem von seinen Denken nichts mehr zu lernen.
00:57:54: lohnt das sich nicht irgendeines seiner Bücher jemals noch aufzuschlagen?
00:57:59: Man sollte nur noch auf den Boden spucken, wenn man seinen Namen hört.
00:58:04: Der ist quasi stammt und sonders mit seinem ganzen Werk ist der zu verabschieden.
00:58:11: Und das andere wäre, das andere extrem wäre eine Haltung die sich darum gar nicht kümmert und auch kein kritisches Problembewusstsein erkennen lässt im Blick auf die auch inneren vielleicht sogar wirklich organischen Verbindungen zwischen seinen Denken und seinen nationalsozialistischen Verstrickungen.
00:58:37: Beides wäre falsch, wie kommt man irgendwie vernünftig und gesund zwischendurch?
00:58:46: Was würdest du da abschließen sagen?
00:58:49: Ja es gibt für mich kein Abschließendes ein weniges Urteil, mit dem man alles auf einen Begriff bringen kann.
00:58:58: Ich würde gar den Anschluss an das, was du gesagt hast, verschiedene Gesichtspunkte einfach gerne unterscheiden und festhalten.
00:59:04: erstens es liegt ein moralisches Fehlverhalten vor.
00:59:09: Das muss man einfach feststellen gegenüber Hannah Arendt der Frau, mit der er ein Verhältnis hatte gegenüber Edmund Husserl dem Lehrer.
00:59:22: Es ist sicherlich so, dass man sagen muss der moralische Kompass hat im Bemblick auf die ja immer deutlicher werdenden Verbrechen des Nationalsozialismus nicht funktioniert.
00:59:35: Und Heidegger war auch angesichts dieser nach dem zweiten Welt hier immer offen kundiger werdenden verbrechen nicht bereit Auch nur ansatzweise zuzugestehen Dass da das eine Rolle im Rahmen eine teilweise Tragendrolle, im Rahmen eines verbrecherischen Regimes gespielt hat.
00:59:56: Also das wäre jetzt mal so.
00:59:57: ein erster Punkt.
00:59:58: der zweite Punkt ist ... dass wir ganz grundsätzlich sehen müssen was aber vielleicht schon bei Kirke gar deutlich wurde es gibt keine abstrakten richtigen Gedanken sondern alles was wir denken ist eben auch aufs Ängste verbunden mit unserer Existenz.
01:00:16: Und schon von dieser grundsätzlichen philosophischen Überlegung her würde ich nicht wagen, trennen zu wollen zwischen Leben auf der einen Seite was völlig verfehlt sein kann und Werk auf der anderen Seite.
01:00:30: Also das würde ein Begriff von Philosophie bedeuten, der völlig abstrakt und zwar in falscher Weise abstrakt ist.
01:00:37: Das wäre mal ein zweiter ganz wichtiger Punkt, der auch sonst zu berücksichtigen ist.
01:00:43: Ein Dritter ... Für Heidegger war das, was man als Ehrenrettung versucht hat.
01:00:48: Die Trennung zwischen der Privatperson, die geirrt hat und dem akademischen Werk, was herausragend ist.
01:00:56: für Heideger war dieser Weg selbst nicht gannbar.
01:00:59: auch das muss man festhalten.
01:01:02: Und ein Vörtergesichtspunkt, der mir aber jetzt auch am Herzen liegt dass wir einen Ertrag haben, den wir jetzt philosophisch nicht einfach in die Tonne treten können.
01:01:17: Heidegas hinweist darauf ... Dass die abendländische Philosophie vor allen Dingen ihre rationalistischen Aufgipfelung, die aber ihr Ursprünger ja schon bei Arres Toteles hat das Denken in Kategorien, das Vorstellende denken Die Überlegung, dass ich die Wirklichkeit verstehe und in den Griff bekomme indem ich Kästchen mache Ich sage es jetzt mal sehr banal, dass die Wirklichkeit mir so zugänglich ist.
01:01:43: Eine Kritik an dieser metaphysischen Tradition, die ja allerdings auch an Nietzsche anschließt – das ist nicht alles originell Heidegger -, die ist aufbewahrenswert und aufhebenswert.
01:01:57: Die ist nicht mit dem was wir vorher festgestellt haben eben auch schon obsolet geworden.
01:02:04: Die passt doch wunderbar, wenn wir an die ganzen ökologischen Debatten denken.
01:02:09: Dass wir merken dieser vorstellende Weltzusammann, dieser technisch objektivierende Welt-Zusammann zerstört die Lebensgrundlagen von denen wir letztendlich selber abhängig sind.
01:02:20: also da kann man ganz viel finden als man allerdings auch woanders finden kann.
01:02:25: aber das sind Gedanken die uns durchaus für uns heute mit von Bedeutung sein können.
01:02:36: Nachdenklich kann machen, dass Heidegger selber abgesehen von der französischen Rezeption, die ja keine Orginäre war.
01:02:46: Sondern die sich nur auf bestimmte Aspekte bezieht, keine Weiterdenker, keine Fortsetzung gefunden hat.
01:02:55: Also das gehört jetzt in diesen Zusammenhang auch hinein?
01:02:59: Ja.
01:02:59: Vielen Dank Peter!
01:03:00: Ich finde es auch zum Abschluss dieser Folge sehr, bedenkenswerte Punkte, die auch ein bisschen helfen dieses verquickte Verhältnis zwischen Leben und Werk oder zwischen Biografie.
01:03:15: Und denken gerade bei Heidegger da ein bisschen durchzunavigieren ohne alles im Bauschulbogen zu bewerfen aber auch nicht ohne die Philosophie von seinem Leben her auch zu problematisieren.
01:03:31: es wäre ja auch irgendwie ein Widerspruch in sich wenn man ausgerechnet bei einem Existenzphilosophen, ausgerechnet bei einem existenzial Unterlogen der anknüpft an Kierkegaard.
01:03:44: Bei dem ganz klar ist Philosophie kann nur Philosophies sein, wenn sie durchlebt ist, wenn sich verhoben ist mit den Leben und wenn sie aus der Existenze rauskommt.
01:03:55: Gerade bei einem Denker mit einem solchen Ansatz wäre es ja absurd nach hinein zu versuchen leben und denken scharf boneinander zu trennen.
01:04:07: Das kann ja nicht angehen, also... Ja vielen Dank Peter für diesen Einblick auch in eine schwierige Seite von Heidegger so ein schwierigen und wichtigen Aspekt seines Lebens und Denkens, wir werden uns noch einmal mit Heidegger befassen in der nächsten Folge.
01:04:34: Und stärker auf seine Religionsphilosophie oder ich weiß nicht ob man das sagen darf Theologie eingehen beziehungsweise auch die den Einfluss den Heideger auf die grad protestantische Theologie gehabt hat.
01:04:53: Das wird uns nächste in der Nächsten Folge dann beschäftigen.
01:04:58: Ja und für heute ist jetzt mal Schluss ihr Lieben, schön dass ihr mit uns auch euch auf diesen Denkweg gemacht habt und wir freuen uns wenn ihr nächstes Mal wieder dabei seid wenn es wieder heißt Mein Maps der Philosophie Podcast.
01:05:17: Tschüss Peter!
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